Familienleben gelingt heute besser denn je
Last modified 03.11.2006 14:00
DGSF-Presseinformation, 29.9.2006
(Leipzig / Köln 29.9.2006) Familienleben gelinge heute besser als früher. Ergebnisse der Familienforschung und historische Vergleiche entlarvten die These vom Zerfall der Familie als „modernen Mythos“. Prof. Dr. Friedebert Kröger, stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Systemische Therapie und Familientherapie (DGSF), befasste sich in seinem Vortrag auf der Jahrestagung seines Verbandes Ende September in Leipzig mit der „Familien-Bande“.
Der „öffentlichen Krisendiskussion“ über die Familie stehe eine „breite
Zufriedenheit gegenüber“, betonte Kröger. Die Scheidungszahlen taugten kaum als
Anzeichen für einen Zerfall der Familie. Die Hälfte der Scheidungen beträfen
kinderlose Paare. Nur rund 14 Prozent der Kinder von Ehepaaren seien vor
Erreichen der Volljährigkeit von der Scheidung der Eltern betroffen. Heute
lebten mehr Kinder länger in Gemeinschaft mit ihren leiblichen Bezugspersonen
als noch vor 100 Jahren.
Die Zahl der Alleinlebenden steige nicht etwa an, weil viele Menschen
das langjährige Single-Leben attraktiv fänden, sondern weil sie später
heirateten als ihre Eltern und weil es mehr alte Menschen gebe, deren Partner
verstorben seien. Kröger, Chefarzt einer psychosomatischen Klinik in Schwäbisch
Hall, bezog sich bei seinen Ausführungen unter anderem auf den Familienbericht
2005 der Bundesregierung.
„Wir können also – historisch betrachtet – von einem langfristigen Trend
zur Familie sprechen und nicht von ihrem Zerfall“, so Kröger. Familien und
Paare hätten heute bessere Chancen auf ein gelingendes Zusammenleben über viele
Jahre als früher. Kröger: „Die Familie ist nicht in einer Krise, sondern in
einem beständigen Wandel“.
Es gelte, sich von einigen Mythen über das Zusammenleben und über die
Familie zu verabschieden, „die mehr mit der Überidealisierung von Partnerschaft
und Familie, als mit der Realität zu tun haben“. Diese Überidealisierung und
die „ängstliche Überbewertung linearer Statistiken“ – etwa in der Diskussion um
die Bevölkerungsentwicklung – führten zu einer „kulturpessimistisch gefärbten
Diskussion“ über familiäre Leitbilder. Krögers Appell: „Gerade als
Familientherapeuten sollten wir uns weniger von den Zahlen des Misslingen – die
traditionell natürlich mehr Aufmerksamkeit ereichen – faszinieren lassen,
sondern die weitaus höherer Zahl des Gelingens der familiären Lebensform ins
Auge fassen und als Ressource begreifen.“
Zur 6. wissenschaftlichen Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für
Systemische Therapie und Familientherapie trafen sich mehr als 500 Berater und
Therapeuten im Universitätsklinikum Leipzig. Der Kongress vom 27. bis 30. September stand unter dem Motto „Sieben Tage die
Woche – alltäglich aufregende Systeme“ und wird veranstaltet vom „Fam-Thera
Institut für Familientherapie und Beratung“.
Informationen über die Tagung im Internet unter: http://www.fam-thera.de/jahrestagung_dgsf_2006.html
verantwortlich:
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