Systemische Familientherapie: Wissenschaftliche Studie belegt Wirksamkeit und Langzeiterfolge
Last modified 09.11.2006 13:15
DGSF-Presseinformation, 6.9.2006 | gemeinsame Presseinformation von DGSF und SG
Systemische Familientherapie: Wissenschaftliche Studie belegt Wirksamkeit und Langzeiterfolge
(Berlin,
Köln, 6.9.2006) Systemische Therapie/Familientherapie ist ein wirksames und
kostengünstiges Psychotherapieverfahren mit sehr guten Langzeiteffekten. Das
belegt eine wissenschaftliche Studie, die zwei Psychotherapieverbände – Deutsche
Gesellschaft für Systemische Therapie und Familientherapie (DGSF) und Systemische
Gesellschaft (SG) – jetzt vorgelegt haben. Die Forschungsstudie basiert auf mehr
als 80 so genannten RCT-Studien (randomisierte, kontrollierte Studien). Die
Verbände wollen mit ihrer Expertise der Systemischen Familientherapie auch in
Deutschland zu einer offiziellen Anerkennung verhelfen. Trotz ihrer hohen Wirksamkeit
ist sie in der Psychotherapeutenausbildung bisher nicht als Therapieverfahren zugelassen
und kann in der ambulanten Behandlung nicht über die gesetzlichen Krankenkassen
abgerechnet werden.
Die Wirksamkeit
der Systemischen Therapie für Störungen im Kindes- und Jugendalter ist durch Forschungsstudien
– vor allem aus den USA – besonders gut belegt. Das Gutachten wertet 50
RCT-Studien aus, von denen 44 die Wirksamkeit der Systemischen Therapie eindeutig
belegen. Das gilt insbesondere für schwere Störungen, die in Familien viel Leid
und im Gesundheitssystem hohe Kosten verursachen: Drogenmissbrauch, Störungen
des Sozialverhaltens, jugendliche Delinquenz, Essstörungen und die Bewältigung
von körperlichen Krankheiten. Bei diesen Störungen ist die Systemische
Familientherapie eines der international am besten untersuchten und erfolgreichsten
Verfahren.
Die Wirksamkeit
bei Störungen im Erwachsenenalter ist ebenfalls gut belegt. Hier führt die
Expertise 27 RCT-Studien an, die zeigen, dass Systemische Therapie hoch wirksam
ist. Das gilt insbesondere für die Bereiche Substanzstörungen, Depression, Essstörungen,
psychische Störungen bei somatischen Krankheiten sowie für Schizophrenie.
Die
kontrollierten Studien belegen neben der hohen Wirksamkeit des Verfahrens nach
Ende der Therapie eine gute Langzeitwirkung: Bei Kontrolluntersuchungen in bis
zu vier Jahren nach Abschluss der Therapie zeigt die Systemische Therapie
bessere Ergebnisse als konkurrierende Verfahren. Außerdem ist die Abbruchrate geringer.
So können mit Systemischer Therapie/Familientherapie beispielsweise mehr
Drogenabhängige in Therapien gehalten werden als bei anderen Therapieansätzen.
Die
Systemische Therapie/Familientherapie ist darüber hinaus ein besonders kostengünstiges
Therapieverfahren aufgrund einer vergleichsweise geringen Sitzungszahl. Durch
die „Mitbehandlung“ des sozialen Umfeldes kommt es zudem auch bei den
Angehörigen des Patienten zu positiven Effekten. Systemische Familientherapie kann
somit zu erheblichen Kosteneinsparungen im Gesundheits- und Sozialsystem
beitragen.
Die beiden Verbände
DGSF und SG haben ihre Expertise dem Wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie
vorgelegt, der psychotherapeutische Verfahren wissenschaftlich begutachtet. „Wir
sind überzeugt, dass die Systemische Therapie/Familientherapie einen
wesentlichen, innovativen Beitrag zur Theorie und Praxis der Psychotherapie
leistet und in Zukunft auch in Deutschland eine wichtige Säule für das Gebäude
der Psychotherapie darstellen wird“, schreiben die beiden Vorsitzenden Dr.
Cornelia Oestereich und Dr. Wilhelm Rotthaus
in ihrem Vorwort zur Expertise. Über die staatliche Zulassung einer Ausbildung
in Systemischer Therapie hatte bereits kürzlich das Verwaltungsgerichts
Düsseldorf zu entscheiden. Dabei urteilte das Gericht, dass die Systemische Familientherapie
aufgrund ihrer weltweit großen Verbreitung als wissenschaftlich anerkanntes
psychotherapeutisches Verfahren anzusehen sei.
Kontakt:
Deutsche Gesellschaft für
Systemische Therapie und Familientherapie (DGSF): Bernhard
Schorn, Pohlmanstraße 13, 50735 Köln, Telefon (0221) 61 31
33, Telefax (0221) 9 77 21 94, E-Mail: schorn
dgsf.org, www.dgsf.org
Systemische
Gesellschaft (SG): Franziska Becker,
Waldenserstraße 2-4, Aufgang D,10551 Berlin, Telefon (030) 53 69 85 04, Telefax
(030) 53 69 85 05, E-Mail presse
systemische-gesellschaft.de,
www.systemische-gesellschaft.de
Verantwortlich: Bernhard Schorn, DGSF
