Verbände begrüßen Urteil und fordern Systemwechsel für Kindergrundsicherung
Pressemitteilung des Bündnisses Kindergrundsicherung, 9.2.2010 / DGSF-Meldung
DGSF –
Information für die Fachpresse
10.2.2010
Die im Bündnis Kindergrundsicherung zusammengeschlossenen Verbände begrüßen die gestrige Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, nach der die derzeitigen Regelleistungen gemäß SGB II nicht verfassungsgemäß sind, und fordern einen Systemwechsel zur Kindergrundsicherung. Die Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie und Familientherapie (DGSF) ist Mitglied des Bündnisses Kindergrundsicherung.
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Pressemitteilung des Bündnisses Kindergrundsicherung
9.02.2010 Pressemitteilung
Verbände begrüßen Urteil und fordern Systemwechsel für Kindergrundsicherung
„Höhere Kinderregelsätze können nur ein erster Schritt sein“ AWO, DKSB, GEW und ZFF setzen sich für echte Chancengleichheit ein und fordern eine Grundsicherung für alle Kinder
Berlin, 9. Februar 2010. „Wir begrüßen das Urteil
des Bundesverfassungsgerichts, das endlich zu höheren Regelsätzen für die Kinder
im Sozialgeldbezug führen muss“, sagten die Vorsitzenden der Arbeiterwohlfahrt
(AWO), des Deutschen Kinderschutzbundes, der Gewerkschaft Erziehung und
Wissenschaft (GEW) sowie des Zukunftsforum Familie (ZFF). Zugleich betonten sie
im Namen des Bündnis KINDERGRUNDSICHERUNG: „Höhere Kinderregelsätze können nur
ein erster Schritt sein. Die nun höchstrichterlich verlangte eigenständige
Berechnung des tatsächlichen Bedarfs von Kindern löst nicht die grundsätzlichen
Systemmängel unserer milliardenschweren Familienförderung.“
„Es ist schon
lange klar, dass die gültigen Regelsätze für Kinder im Sozialgeldbezug den
wirklichen Bedarf nicht decken. Ein etwa achtjähriges Kind kann von 251 Euro im
Monat nicht vernünftig ernährt und gekleidet werden, geschweige denn am normalen
Leben seiner Altersgruppe teilnehmen. Soziale Ausgrenzung, schlechtere
Bildungschancen und gesundheitliche Defizite sind die Folgen“, erläutert der
AWO-Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler.
Deshalb haben alle Verbände seit
langem gefordert, dass die Regelsätze für Kinder erhöht und ihr tatsächlicher
Bedarf eigenständig ermittelt werden müsse, statt diesen prozentual aus dem
Hartz-IV-Eckregelsatz für Erwachsene abzuleiten.
„Doch höhere
Kinderregelsätze alleine lösen die gravierenden Systemmängel unserer derzeitigen
Familienförderung nicht: Dieses System ist insgesamt sozial ungerecht,
bürokratisch und intransparent“, betont der Vorsitzende des Deutschen
Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers. „So bevorzugen die Kinderfreibeträge und
Steuererleichterungen gutverdienende Familien, während Sozialgeldbezieher nicht
mal von der Kindergelderhöhung profitieren. Diese wird ihnen in voller Höhe
abgezogen.“
Das milliardenschwere System der Familienförderung habe
nicht verhindert, dass mittlerweile mehr als 2,4 Millionen Kinder in unserem
reichen Land offiziell als arm gelten, kritisieren die Verbände. „Wenn jetzt zur
bürokratischen Ermittlung komplizierter Regelsätze ein weiterer Streit um
Centbeträge in unübersichtlichen Warenkörben anhebt, wird das wirkliche Problem
weiter verdeckt“, unterstreicht GEW-Vorsitzender Ulrich Thöne. Bereits vor
Jahren habe das Bundesverfassungsgericht das sächliche Existenzminimum von
Kindern mit 322 Euro im Monat beziffert. Hinzu kam der Bedarf für Bildung,
Betreuung und Erziehung von 180 Euro im Monat.
„Unsere Gesellschaft
braucht alle Kinder! Und alle Kinder brauchen eine chancengleiche Grundlage für
ihr Aufwachsen, sowohl finanziell als auch durch kostenfreien Zugang zu Bildung,
Betreuung und Erziehung“, betont die ZFF-Vorsitzende Christiane Reckmann.
„Deshalb fordert das Bündnis KINDER-GRUNDSICHERUNG die Politik zu einem mutigen
Systemwechsel der Familienförderung auf.“
„Bereits seit April 2009
bringen wir mit unserer Forderung nach einer Kindergrundsicherung von 502 Euro
soziale Gerechtigkeit in die Familienförderung. Die Kinder von
geringverdienenden oder langzeitarbeitslosen Eltern brauchen endlich eine
bedarfsdeckende Förderung, um mit all ihren Potenzialen in unsere Gesellschaft
hinein zu wachsen“, betonen die Vorsitzenden im Namen des Bündnis
KINDERGRUNDSICHERUNG.
Im Bündnis KINDERGRUNDSICHERUNG haben acht
Verbände und sechs namhafte Wissenschaftler/-innen einen konkreten Vorschlag für
einen echten Systemwechsel gemacht (www.kinderarmut-hat-folgen.de). Der
Vorschlag zieht die Lehren aus dem skandalösen Anwachsen der Kinderarmut und den
Urteilen des Bundesverfassungsgerichts. Solange die Politik entgegen all ihrer
Sonntagsreden den kostenlosen Zugang zu Bildung und Betreuung nicht endlich
durchsetzt, sondern die Gebühren und Zuzahlungen von der Krippe bis zur Uni
ständig steigen, fordert das Bündnis seit April 2009 eine Kindergrundsicherung
für alle Kinder von 502 Euro im Monat. Die neue Leistung soll alle bisherigen
Förderungen ersetzen und der Einkommensbesteuerung unterliegen.
Pressemitteilung als PDF Datei downloaden
Infos zum Bündnis unter: www.kinderarmut-hat-folgen.de

