Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie und Familientherapie - DGSF

Der berufsübergreifende
Fachverband für Systemische Therapie,
Beratung und Supervision

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Zusammenfassungen KONTEXT 2004 04

Last modified 13.01.2005 20:54

Zeitschrift für Systemische Therapie und Familientherapie

Band 35 | 2004 | Heft 4

Inhalt

Editorial

Zusammenfassung
Ein Editorial in Zeiten der gesellschaftlichen und politischen Übergänge zu schreiben, ist etwas sehr Spannendes und erinnert an die Phase einer in Veränderung befindlichen Familie, in der der Therapeut innehält und sich Gedanken über das Woher und Wohin macht. Dabei wird er die Interaktionsgeschichte der Familie an sich vorbeiziehen lassen und sich noch einmal fragen, wie der Einzelne in der Familie die Vergangenheit erfahren, erlebt und gestaltet hat. Das je Besondere der Familie wird dann für ihn durch die jeweils von den Einzelnen erlebten Möglichkeiten des Handelns, den getroffenen Wahlen sowie durch die im Nachherein vollzogene Erinnerungsarbeit deutlich. Diese getroffenen Wahlen sind, wie er dann feststellt, natürlich nicht aus einer unendlichen Fülle von Möglichkeiten getroffen worden, sondern haben ihre Begrenzung in dem gesellschaftlichen, kulturellen, familialen und persönlichen Rahmen. In der Rückschau wird ihm auch deutlich, dass er sich bei der Familie nicht auf von diesem historischen Kontext losgelöste Normen und Werte berufen kann, noch auf gerade in Mode befindliche Ideologien über Familie. Dies wäre so einfach gewesen, da man dann die Welt z. B. in schwarz und weiß, oder gut und böse einteilen könnte und damit Ordnungen suggeriert, die zwar sein Handeln erleichtern können, aber an der Geschichte dieser konkreten Familie vorgehen. Die dem Therapeuten präsentierten Bilder der Familie stehen somit in einem kontextuellen Zusammenhang mit der Vergangenheit und beinhalten nur durch diesen Kontext vorgegebene Entwicklungsmöglichkeiten. Eine Möglichkeit des Handeln oder von Ordnung der Familie anzubieten, die einem Familienmitglied als »Unmöglichkeit« erscheint, ist eine »Nicht-Möglichkeit« für ihn, es sei denn, die »Unmöglichkeit« ist in seinem Repertoire enthalten und bisher unentdeckt geblieben. Die Bilder der einzelnen Familienmitglieder sind somit Schlaglichter einer jeden Person mit ihrem je spezifischen Geschichts- und Entwicklungshintergrund. Sie sind gleichzeitig nur Annäherungen an die Familienbeziehungen, da sie ihre rekonstruierte Sicht des Einzelnen mit seinen vielfältigen Wahrnehmungsverzerrungen und dem Bedürfnis nach einer »geschlossenen«, widerspruchsfreien Gestalt enthalten. In dem vorliegenden Heft gibt es aus dieser Perspektive verschiedene Annäherungsmöglichkeiten an dieses Familiengeschehen, sei es über die Familienrekonstruktion, das Psychodrama, das Familienstellen oder die methodischen Hilfsmittel der Netzwerkarbeit mit der Netzwerkkarte oder der VIP-Karte. Dass das therapeutisches Tun unverständlich bleibt, wenn wir die gedankliche Entwicklung des Therapeuten nicht kennen, wird sehr schön deutlich an der Denkgeschichte von Frau Palazzoli, wie sie in den beiden Aufsätzen »Klassiker wieder gelesen« aufscheint. Dass man sich in der Geschichte auch vertun oder Entwicklungen nicht so rasch folgen kann, zeigt sich, wenn die Herausgeber das Umschlagbild des letzten Heftes mit dem Titel »Ungleiches Paar« Frau Henriette Lempp zuschreiben und nicht dem tatsächlichen Künstler Lutz Dölle, der in Berlin arbeitet und lebt. Dieser Fehler ist uns unterlaufen, da Frau Lempp über Jahre die Fotos für die Umschlaggestaltung von Kontext zur Verfügung gestellt hat. An dieser Stelle sei ihr sehr herzlich gedankt. Ins letzte Heft hatte sich noch ein zweiter Fehler eingeschmuggelt. Er findet sich im Artikel von Herrn Neumann zum Familienbrett. Dieses wurde aus Versehen Herrn Gering zugeschrieben und nicht auf die ursprünglichen Arbeiten von Herrn Ludewig verwiesen.

Friedrich Balck
Dörte Foertsch
Günter Reich
Wolf Ritscher

313

ÜBERSICHTSARBEITEN

Oliver König

Die Aufstellungsarbeit als Gruppenverfahren besonderer Art
The family constellations approach as a particular method of group psychotherapy

Zusammenfassung
Die Aufstellungsarbeit wird als ein aktionsorientierter Ansatz der Gruppenpsychotherapie beschrieben. Die Vorläufer in Psychodrama und Familientherapie werden anhand der Beiträge von Jacob Moreno und Virginia Satir dargestellt. Auf diesem Hintergrund werden die spezifischen Weiterentwicklungen der Aufstellungsarbeit herausgearbeitet. Im Zentrum steht die besondere Verbindung von Gegenstandstheorie, d. h. einer Theorie der Familie, und der Vorgehensweise. Drei zentrale Aspekte dieser Vorgehensweise im Arbeitssetting einer Gruppe werden beschrieben: die Komplexitätsreduzierung durch einen dyadischen Dialog, die Unterscheidung zwischen individueller und struktureller Übertragung, und die Nutzung dieser strukturellen Übertragung für die Verlebendigung von familiären Strukturen und Prozessen in der Gruppe.
Schlagwörter: Familienaufstellungen – Gruppenpsychotherapie – Psychodrama – Familientherapie – Bert Hellinger

Summary (engl.)
The family constellations approach is described as an action oriented method of group psychotherapy. Forerunners in Psychodrama and Family Therapy are traced in the work of Jakob L. Moreno and Virginia Satir. On this background the specific contributions of the family constellations approach are formulated. Central is the connection of a theory of the family and the therapeutic procedure. Three aspects of this procedure are described: the reduction of complexity thru a dyadic dialogue, the distinction between individual and structural transference, and the use of this structural transference for the enactment of family structures and process in the group.
Keywords: family constellations – group psychotherapy – psychodrama – family therapy – Bert Hellinger

315

AUS DER PRAXIS

Andreas Naylor

Systemische Beratung in der stationären Jugendhilfe – Praktische Ergebnisse einer beruflichen Weiterbildung
Systemic counselling in stationary youth welfare services – Practical results of further occupational training

Zusammenfassung
Der Beitrag reflektiert einen zweijährigen Weiterbildungsprozess in systemischer Beratung und dessen Auswirkungen auf die berufliche Praxis des Autors. Dieser arbeitet als Sozialpädagoge in einer stationären Wohngruppe für Kinder und Jugendliche. Aufgezeigt werden die Notwendigkeit und die Vorteile systemischer Beratung im Kontext von Fremdunterbringung. In diesem Rahmen ist »Beratung« kein vom pädagogischen Kontext losgelöster Prozess, sondern eingebettet in die tägliche Arbeit mit den Kindern und ihren Herkunftsfamilien.
Schlagwörter: Zuschreibungen – Familie – Fremdunterbringung von Jugendlichen – Zugehörigkeit – Familienberatung im Kontext Wohngruppe

Summary (engl.)
The contribution reflects a two-year process of further training in systemic counselling and its effect on the occupational practice of the author. The author works as a social education worker in a stationary residential group for children and young people. The necessity and the advantages of systemic counselling in the context of accommodation with strangers are shown. In this framework, »counselling« is not a process separated from the educational context, but is instead embedded in the day-to-day work with the children and their families of origin.
Keywords: affiliations – family – accommodation of young people with strangers – belonging – family-counselling in the context of a residential group

334

Johannes Herwig-Lempp

Die VIP-Karte – ein einfaches Instrument für die Systemische Sozialarbeit
The VIP-Map – An instrument for systemic social work

Zusammenfassung
Mit der »VIP-Karte« wird ein einfaches Instrument für die systemische Sozialarbeit vorgestellt, mit dessen Hilfe man mit einer Klientin ein wertschätzendes und ressourcenorientiertes Gespräch über die »sehr wichtigen Menschen« (VIPs) in ihrem Leben führen kann. Ähnlich wie das Genogramm kann die VIP-Karte Gesprächsleitfaden und Gegenstand der Hypothesenbildung sein. Anders als jene erweitert es jedoch den Blick über die Familie hinaus auf weitere wichtige Menschen im privaten, beruflichen und unterstützenden Umfeld und bezieht sie mit ein. Als einfaches Handwerkszeug ermöglicht sie eine unkomplizierte Handhabung und lädt ein zu vielfältigen Variationen.
Schlagwörter: VIP-Karte – Systemische Sozialarbeit – Ressourcenorientierung – Hypothesenbildung – Gesprächsleitfaden

Summary (engl.)
We present the VIP-map as a simple instrument for systemic social work: It helps to talk with a client in a respectful and resource orientated way about the „very important persons (VIPs) in his/her life. Similar to the genogram the VIP-map can be a guideline for talks and an object for building hypotheses. Different from the genogram it amplifies the look beyond the borders of the family and encompasses all the important persons in the private, professional or supporting context. The VIP-map is a simple tool and invites to invent multiple variations.
Keywords: VIP-map – systemic social work – resource orientation – building hypotheses – guideline for talks

353

Renate Zwicker-Pelzer

Netzwerkarbeit als systemische Intervention in Sozialer Arbeit
Networking as systemic intervention strategy in social work

Zusammenfassung
In der familientherapeutischen Praxis der vergangenen Jahrzehnte ist die Netzwerkarbeit ein fester Bestandteil geworden. Forschungen über ihre Wirksamkeit und verschiedene Beiträge zur Theoriebildung liegen vor. Noch länger als in der Familientherapie aber ist die Geschichte der Netzwerkarbeit in den professionellen Feldern der Sozialen Arbeit. Dieser Beitrag möchte die Netzwerkarbeit als systemische Intervention mit den Theorieentwicklungen in Sozialer Arbeit verbinden und ihre Relevanz als besonderes Instrumentarium systemischer wie Sozialer Arbeit hervorheben. Am Beispiel der Netzwerkkarte Joan Klefbeks soll zum eigenen Experimentieren im beruflichen Feld angeregt werden.
Schlagwörter: Soziale Arbeit – Ressourcenorientierung – systemische Diagnostik – Praxisbeispiel: Netzwerkkarte

Summary (engl.)
In the last decades, networking has become a larger part in the practice of family therapy. Meanwhile there are studies on the effectiveness of networking as well as contributions to the theoretical framework of it. But even longer than its use in family therapy is the history of networking in the professional fields of social work. The purpose of this presentation is to connect social networking as a systemic intervention with the evolution of the theory of social work and to point out the relevance of networking as special instrument of both systemic and social work. Joan Klefbek’s »social network map« is being used as an example to stimulate experimenting with networking techniques in professional practice.
Keywords: social work – resource orientation – systemic diagnosis – example: social network map

365

KONTEXTUELLES

Ludger Kühling
Was könnten wir tun, um die Bedeutung der Systemischen Sozialarbeit möglichst gering zu halten?
374

Klaus Lesemann
Fallbeispiel
381

Klassiker wieder gelesen
391

Stich-Wort
396

Autorinnen und Autoren
398

Buchbesprechungen
399

Tagungsbericht
406

DGSF-Mitteilungen
408

Tagungskalender
416

Allgemeine Mitteilungen
418