Sie sind hier: Startseite / Aktuell / Meldungen / Ethik-Richtlinien und kirchliches Arbeitsrecht
Print

Ethik-Richtlinien und kirchliches Arbeitsrecht

Veröffentlicht: 14.02.2017, aktualisiert: 14.12.2017
Ist das kirchliche Arbeitsrecht mit dem Diskriminierungsverbot der DGSF-Ethik-Richtlinien vereinbar? Das war die zentrale Frage einer Diskussionsveranstaltung zu der Vorstand und Ethikbeirat der DGSF Anfang Februar nach Frankfurt eingeladen hatten. Einen fachlichen Input zur Veranstaltung lieferte Hans-Peter Schneider, emeritierter Professor der Universität Hannover, renommierter Staatsrechtlehrer und Kenner des Kirchenrechts.

Anlass für die Veranstaltung war eine Anfrage von DGSF-Mitglied Jochen Leucht an den Ethikbeirat der DGSF. Aufgrund dieser Anfrage erklärte der Ethikbeirat, dass eine kirchliche Einrichtung, die eine Mitarbeiterin oder einen Mitarbeiter aufgrund ihrer/seiner sexuellen oder religiösen Orientierung entlassen würde, gegen Geist und Wortlaut der Ethik-Richtlinien verstoßen würde. Da die Richtlinien gemäß ihrer Präambel den ethischen Diskurs innerhalb des Verbandes fördern sollen, luden Vorstand und Ethikbeirat die akkreditierten Weiterbildungsinstitute und die DGSF-empfohlenen Einrichtungen in kirchlicher Trägerschaft sowie weitere Vertreter von DGSF-Gremien und Instituten nach Frankfurt ein. Zuvor waren die eventuell betroffenen Institute und Einrichtungen vom Ethikbeirat um eine Stellungnahme zu dem möglichen Widerspruch zwischen Ethik-Richtlinien und kirchlichem Arbeitsrecht gebeten worden.

Verfassungsrechtler Schneider erläuterte den rund 20 DGSF-Vertretern, dass sich der Verband mit seiner Frage nach dem Spannungsfeld zwischen kirchlichem Selbstbestimmungsrecht und dem im Grundgesetz verankertem Diskriminierungsverbot, das schwierigste Thema der Rechtsprechung ausgesucht habe. Es gebe dafür keine allgemeingültigen Lösungen, sondern nur individuelle Wege nach Einzelfallprüfungen. Dafür habe neben der deutschen Rechtsprechung auch der Europäische Gerichtshof Maßstäbe entwickelt. Um mit dem Spannungsfeld angemessen umgehen zu können, schlug der Referent eine Ergänzung der Ethik-Richtlinien der DGSF vor: „Wenn und soweit kirchliche Träger sich auf ihr Selbstbestimmungsrecht berufen, so ist es bei der Auswirkung und Anwendung des Diskriminierungsverbotes angemessen zu berücksichtigen“.

In der anschließenden Diskussion wurde eine Überprüfung des Aufnahmeverfahrens für institutionelle Mitglieder angeregt sowie der Verfahren für die Empfehlung von Einrichtungen und Akkreditierung von Weiterbildungsinstituten. Vereinbart wurde ein weiterer und breiterer verbandsinterner Diskurs zur Problematik – beispielsweise über die Verbandszeitschrift Kontext oder „DGSF-Intern“. Der Verband könne und solle mit dem Thema auf gesellschafts- und kirchenpolitischer Ebene unbequem sein.

Prof. Dr. Dr.h.c. Hans-Peter Schneider: Kurzfassung des Impulsvortrags auf der Diskussionsveranstaltung der DGSF am 1. Februar 2017 in Frankfurt a.M.

Aktuelle Meldungen RSS
Ein systemischer Blick auf Kinderschutz und Zwangskontexte – ein Veranstaltungsbericht
15.01.2019

Ein systemischer Blick auf Kinderschutz und Zwangskontexte – ein Veranstaltungsbericht

Zehn Jahre Jubiläum feierte im Herbst die Veranstaltung "Systemische Kinder- und Jugendhilfe im Dialog" in der Rohrmeisterei in Schwerte. Das Thema des Abends lautete: "Ein systemischer Blick auf Kinderschutz und Zwangskontexte". […]

10.01.2019

Reform des Psychotherapeutengesetzes – Psychotherapiestudium geplant

Die Reform des Psychotherapeutengesetzes und damit eine grundlegende Veränderung der Psychotherapieausbildung werden seit Jahren diskutiert. Zum Jahresanfang hat das Bundesgesundheitsministerium den Referentenentwurf zur Gesetzesreform veröffentlicht. […]

10.01.2019

Neue DGSF-Regionalgruppe in Bielefeld

In Bielefeld gibt es nun auch eine DGSF-Regionalgruppe. Zum Gründungstreffen Ende 2018 kamen 38 Personen zusammen und tauschten sich über ihre Interessen, Wünsche und Ideen zur zukünftigen Regionalgruppenarbeit aus. […]

Vielfältiges Workshop-Programm bei der Jahrestagung 2019
08.01.2019

Vielfältiges Workshop-Programm bei der Jahrestagung 2019

Besucher der DGSF-Jahrestagung 2019 in Hamburg erwartet thematisch ein breites Workshopangebot von grundsätzlichen philosophischen Reflexionen über transgenerationale Themen und historisch-politische Aspekte bis hin zu fachspezifischen Schwerpunkten aus der Paar- und Familientherapie, der Traumabearbeitung und psychiatrischen Fragestellungen. […]

Gesellschaftspolitik in der DGSF
03.01.2019

Gesellschaftspolitik in der DGSF

Das eingeschränkte »allgemeinpolitische Mandat«, das sich die DGSF mit dem Beschluss der Mitgliederversammlung 2013 gegeben hat, bezeichnet der damalige Vorsitzende Jochen Schweitzer als Wagnis. Als Herausgeber der vierten und letzten Ausgabe der Zeitschrift Kontext im vergangenen Jahr legt Schweitzer eine erste Zwischenbilanz des "ergebnisoffenen Experiments" vor. […]

Weitere Nachrichten …