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Kooperation von Jugendhilfe und Gesundheitswesen verbessern

Veröffentlicht: 27.11.2018, aktualisiert: 13.12.2018
Bessere Zusammenarbeit ist notwendig. Das ist ein Fazit der jugendpolitischen Fachtagung "Chancen, Risiken und Nebenwirkungen in der Kooperation von Jugendhilfe und Gesundheitswesen" mit rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmern am 26. November 2018 im Maternushaus in Köln. Zur Tagung geladen hatte die DGSF zusammen mit den den vier Bundesfachverbänden für Erziehungshilfen AFET, IGfH, EREV und BVkE.
Kooperation von Jugendhilfe und Gesundheitswesen verbessern

Auch das Mikrobiom hat Einfluss ... Eröffnungsreferat von Rainer Schwing

Einig waren sich die Teilnehmenden, dass der Ausbau der Kooperation von Jugendhilfe und Gesundheitswesen, der seit über 15 Jahren thematisiert wird, weiter erfolgen muss. Neben einem systemübergreifenden Netzwerkaufbau, der auch die Schule umfasst, werden neue strukturelle Voraussetzungen benötigt. "Dabei ist eine fallunabhängige Begegnung der Akteure aus beiden Systemen die Voraussetzung, sich kennenzulernen, die Verfahrensnormen und Systemlogiken und Kulturen des jeweils anderen zu verstehen und gemeinsam an Lösungen der Probleme der Praxis zu arbeiten", erläutert Birgit Averbeck, die als Fachreferentin der DGSF die Tagung maßgeblich vorbereitet hat.

Im Eröffnungsvortrag „Es braucht ein Dorf, um ein Kind zu erziehen“ befasste sich Rainer Schwing mit der Frage, warum Kooperation wichtig ist, und wie sie trotz Schwierigkeiten gelingen kann. Dabei ging es dem Referenten nicht nur um psychologische oder neurobiologische Forschungsergebnisse, auch die aktuelle Mikrobiom-Forschung könne ein interessantes Schlaglicht auf die Frage von gelingender Kooperation werfen - jedenfalls müsse Kooperation "gut genährt" werden. Anschließend schilderte Miriam Ventocilla, Chefärztin beim Heilpädagogisch-Psychotherapeutischen Zentrum in Wülfrath (Diakonie), eine seit vielen Jahren gut eingespielte Praxis der Kooperation in Trägerschaft der Bergischen Diakonie Aprath. Alexandra van Driesten vom Careleaver e. V. berichtete dann aus einer reflektierten Betroffenenperspektive vor allem von den Mängeln in der Kooperation und deren teilweise fatalen Auswirkungen auf den einzelnen jungen Menschen.

Am Nachmittag gab es zwei Impulsvorträge aus der Perspektive der Jugendhilfe und des Gesundheitswesens: Sabine Wagenblass, Professorin an der Uni Bremen für Geschichte und Theorien Sozialer Arbeit, plädierte dafür, Kräfte zu bündeln und Familien gemeinsam unterstützen. Die leitende Ärztin des Familientherapeutisches Zentrums Neckargemünd, Rieke Oelkes-Ax hatte ihren Beitrag unter die Überschrift gestellt: "Ich habe zu Hause den Horror erlebt und will es mit meinen Kindern anders machen“ – was braucht es, dass Hilfe und Unterstützung tragen und nicht selbst zum Horror werden?

Was braucht es an gesetzlichen Vorgaben, damit die Arbeit im System Jugendhilfe-Gesundheitswesen effektiv gelingen kann? Das war eine Leitfrage der veranstaltenden Verbände für die Fachtagung. Und da wurde aus dem Publikum, von den Referentinnen und in einer abschließenden Expertenrunde einiges zusammengetragen, vor allem:

  • Verbindliche Kooperationsgebote gehören in alle Sozialgesetzbücher.
  • Kooperationszeit muss finanziert werden.
  • Basics zur Kooperation der Systeme gehören in die Ausbildung (z. B. Thema Haltung, Netzwerkaufbau und pflege).
  • Für Komplexleistungen geben muss es Mischfinanzierungen geben.
  • Bei Kindern mit psychisch kranken Eltern müssen Maßnahmen und Hilfen für noch nicht erkrankte Kinder verbindlich als Präventionsleistungen finanziert werden.

In seinem Grußwort zur Veranstaltung hatte DGSF-Vorsitzender Enno Hermans eine Parallele zum globalen Klimawandel gezogen. Es gebe Probleme, die durch individuelles Bemühen allein nicht gut zu lösen seien, "sondern nur durch politische Rahmenbedingungen und Strukturen, konkret auch Gesetze, die Veränderungen belohnen. Und ich glaube, dass es mit der Schnittstelle zwischen Jugendhilfe und Gesundheitswesen im Prinzip genauso ist. Wir brauchen hier einen Klimawandel hin zur Kooperation, indem sie in den Mittelpunkt des Handelns gestellt wird und wir nicht in versäultem Denken der einzeln geregelten Bereiche unserer Sozialgesetzgebung verharren."

 Tagungsdokumentation (Präsentationen und Einladungsflyer) auf der Website der EREV


Gesprächsrunde zu Beginn mit Anette Berg, AFET, Enno Hermans,
DGSF, und Moderator Jörg Brökel im Maternushaus in Köln



Rieke Oelkers-Ax: Die Kooperation der Systeme hängt immer noch
hauptsächlich von persönlichen Beziehungen und individuellem
Engagement ab


Expertenrunde mit (v.l.n.r. ) Wolfgang Schreck, Vorstand der Bundes-
psychotherapeutenkammer und Jugendamtsleiter in Gelsenkirchen,
Jörg Brökel, Dennis Mälzer, Sprecher der SPD-Fraktion des Ausschusses
für Familie, Kinder und Jugend des Landtafgs NRW, Rieke Oelkes-Ax  und
Sabine Wagenblass


Im Murmelrunden wurden Rückmeldungen des Publikums eingeholt

DGSF-Vorsitzender Enno Hermans mit einem Grußwort zur Tagungseröffnung
DGSF-Vorsitzender Enno Hermans bei der Begrüßung:
Nicht in versäultem Denken verharren

 

Veranstaltungsbericht: Gute Kooperation darf nicht nur Glückssache sein

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