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Navigieren bei Unsicherheit: DGSF-Jahrestagung 2022 in Dresden

Veröffentlicht: 26.09.2022, aktualisiert: 04.11.2022
Endlich wieder eine Tagung mit realen Begegnungen! Rund 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmer besuchten die DGSF-Jahrestagung 2022 vom 15. bis 17. September im Hygienemuseum in Dresden. Acht Plenarvorträge widmeten sich vormittags dem Tagungsthema „Sicheres Navigieren in Zeiten von Unsicherheit und Wandel“, rund 70 Workshops und weitere Formate vertieften das Thema der vom Institut Famthera zusammen mit der Praxis impuls organisierten Tagung.
Navigieren bei Unsicherheit: DGSF-Jahrestagung 2022 in Dresden

Eva von Redecker machte den Auftakt mit vertieften Fragen zum Eigentum



Gleich geht das Licht wieder an und der erste Vortrag kann starten

Nach Grußworten von DGSF-Vorsitzenden Filip Caby und SG-Vorstandsmitglied Tom Küchler sowie einführenden Gedanken der Veranstalter machte die Philosophin Eva von Redecker den vielversprechenden Auftakt: Sie befasste sich mit in ihrem Vortrag „Selbstbehauptung und Weltverlust. Zu Grundformen menschlicher Identität im Herrschaftsgefüge der Moderne“ mit der modernen Form des Eigentums und kritisierte ein das „eigentumsförmige Verständnis von Freiheit“. Die moderne Form des Eigentums beinhalte das Veräußerungsrecht und damit auch ein Missbrauchsrecht mit gravierenden ökologischen Folgen. Nach einem ersten „Reflecting Team“ mit den DGSF-Vorsitzenden Anke Lingnau-Carduck und Filip Caby folgte der zweite Hauptvortrag von Rüdiger Retzlaff „‘Sicheres‘ Navigieren in Zeiten der Unsicherheit - Unterwegs zu einer allgemeinen systemisch fundierten Psychotherapie“, der ebenfalls mit einem Reflecting Team abgeschlossen wurde.


DGSF-Vorsitzende Anke Lingnau-Carduck (Mitte) im Reflecting Team mit Rüdiger Retzlaff und Filip Caby
sowie Heike Schemmel und Sebastian Funke (v. l.)

In rund 30 Workshops oder anderen interaktiven Formaten sowie Fachgruppen und Netzwerktreffen wurden am Nachmittag die verschiedenen Aspekte des Tagungsthemas auf vielfältige Art und Weise erweitert und vertieft. Gegen Abend gab es dann nicht nur einen thematischen Stadtspaziergang für den Kongress, sondern auch noch einen Vortrag im roten Versammlungssaal des Hygienemuseums: Thomas Bruhns, Physiker und Forscher am Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung (IASS) in Potsdam, zog seine Zuhörer*innen in den Bann mit Gedanken der Erdsystemwissenschaft verbunden mit der Frage, auf welche Weise die Kultivierung innerer Haltungen wie Achtsamkeit und Mitgefühl zum Wandel zur Nachhaltigkeit beitragen kann.

Der Freitag startete mit Vorträgen von Alexander Repenning und Tom Levold. Repenning, Politökonom bei der Right Livelihood Foundation, die den "Alternativen Nobelpreis“ vergibt, knüpfte in seinem Vortrag an die „moralischen Streckübungen” des „Atom-Philosophen“ Günther Anders an. DGSF-Mitglied Levold präsentierte seine hochkonzentrierten Überlegungen zu Systemkrisen unter dem Titel “Zur Dynamik von Veränderungsprozessen im Spannungsfeld von Freiheit und Notwendigkeit. Welche Perspektiven bieten uns systemische Theorien?“ Anschließend ließ Angelika Eck das Publikum an ihrem „Nachdenken über zeitgemäße Paartherapie“ teilhaben. Am Freitagnachmittag standen rund 40 Workshops auf dem Programm und stellten die Teilnehmenden vor die Qual der Wahl. Der Bogen der Themen reichte von systemischen Perspektiven auf Verschwörungstheorien, von systemischen Haltungen und Methoden für die KITA über psychologische Aspekte der Klimakrise oder Lebensflussarbeit in der Paartherapie bis zu besonderen Arbeitsmethoden für Kriegsenkel.


Tom Levold: Wieviele Kapitäne versuchen das Schiff zu steuern?

Und dann das Tagungsfest: Die „Ukrainiens“ aus Dresden entführten auf eine musikalische Reise durch den Osten Europas – und die meisten der Besucher*innen schnell auf die Tanzfläche. Auch wenn die Akustik des Museumsfoyers nicht gerade zur Konversation einlud: Der Abend blieb bestens tanzbar als nach gut zwei Stunden die Band an DGSF-Mitglied Judith Gutknecht als DJ übergab, die bis weit nach Mitternacht auflegte.

Auch am letzten Morgen war der Tagungssaal gut besucht, als Philosophin Natalie Knapp das Auditorium ermutigte, mit der Unsicherheit „Freundschaft zu schließen“. Anschließend informierte Iris Tatjana Kolassa, Professorin an der Uni Ulm, über die biomolekularen Folgen von Stress und Trauma. Beim abschließenden Vortag mit Hiltrud Bierbaum-Luttermann „Familien in Bewegung- bewegte Familien“ wurde es dann wieder ganz praktisch: Die Referentin ermutigte zum Spiel und zu metaphorischen Aktionen im Raum von Therapie und Beratung und auch ganz praktisch mit zwei Blättern Papier im Hörsaal.

Das Thema Nachhaltigkeit sollte nicht nur in theoretischen Beiträgen eine Rolle spielen, den Organisatoren lag am Herzen, bei Planung und Durchführung der Tagung möglichst viele Aspekte einer klimafreundlichen und nachhaltigen Ausgestaltung mitzudenken. So wurden durch die Tagung verursachte Emissionen über atmosfair kompensiert. Die DGSF hatte entschieden, gleiches für die die der Tagung vorgelagerten Versammlungen (Mitglieder- und Instituteversammlung) zu leisten.

Zum Abschluss der Tagung gab es einen Ausblick auf die DGSF-Jahrestagung 2023 in Wiesbaden „Karussell der Kulturen“. Die Dresdner Jahrestagung jedenfalls war ein wunderbarer Wiedereinstieg in Präsenztagungen und machte Lust auf mehr!

 bs

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