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Gedenken an Gerda Jerusalem

Hier können DGSF-Mitglieder über die Funktion "kommentieren" eine Gedenknotiz zum Tode von Gerda Jerusalem schreiben (einloggen erforderlich – oder Text per Mail an schorn@dgsf.org, wird dann von Seiten der DGSF-Geschäftsstelle eingestellt).

Gerda Jerusalem, 30.12.1952 – 25.12.2019

Nachruf

 

Ein Brief an Gerda Jerusalem  von DGSF-Mitglied Gisela Keil

Liebe Gerda,

ich sitze hier und hätte mich gerne mit dir auf ein Glas Rotwein in unserem Kölner Viertel verabredet oder mit dir telefoniert, um mal wieder das Leben zu besprechen. Denn das konnte man gut mit dir. Dabei habe ich dich in den vielen Jahren, die wir uns kennen, als eine Frau erlebt, die das Leben gerne leidenschaftlich lebte und das mit viel Power. Manches Mal habe ich mich gewundert woher du die ganze Kraft für deine Familie und die Arbeit nimmst. Es kam ja häufiger vor, dass du viele Tage am Stück arbeitetest, ohne dass dies dir viel auszumachen schien. Das habe ich bewundert. Ich wäre da schon bei der Hälfte eingeknickt.

Das erste Mal sind wir uns bei einer Kunstausstellung in deiner Praxisgemeinschaft begegnet, wurden dann Kolleginnen beim ifs und auch Freundinnen. Denn wir fanden heraus, dass wir in Nachbargemeinden in der Nähe von Köln aufgewachsen waren. Unsere Väter, die sich auch kannten, waren bei der gleichen Firma beschäftigt und unsere jüngeren Brüder wohnen im gleichen Ort und kennen sich. Dies hat, so glaube ich, eine Vertrautheit erzeugt, die den Boden sowohl für unsere private als auch die berufliche Verbindung bereitete. Wenn wir uns sprachen, eine Zeit lang haben wir uns ja gegenseitig kollegial in Bezug auf die Gruppenprozesse in den Ausbildungsgruppen supervidiert, war deine gute Erdung spürbar, die recht schnell mit einem gewissen Pragmatismus eine klare Position und Einschätzung erzeugte. Dabei hattest du auch den Schalk im Nacken, der nicht selten mit einer Provokation garniert daher kam. Das war gekonnt und ich habe es sehr gemocht. Überhaupt erlebte ich dich als Syst. Therapeutin und als Diplom-Supervisorin als integer, seriös und sehr fachlich, womit du die Gruppen immer ‚gut im Griff’ hattest, in denen dann auch die Prozesse liefen.

Seit Beginn deiner Erkrankung habe ich immer wieder versucht, dich zu einer gesünderen Lebensweise zu ermuntern. Aber da warst du leider nicht gut erreichbar. Oder anders ausgedrückt, den Genuss wolltest du nicht aufgeben. Wozu auch?

Dass du jetzt nicht mehr da bist, kann ich noch nicht so richtig glauben und ich weiß jetzt schon, dass ich dich und die Gespräche bei einem Glas Rotwein sehr vermissen werde. Ich hätte dir sehr noch ein schönes, entspanntes und genussvolles Leben gewünscht.

Gestern leuchtete ein Stern ganz besonders hell am Himmel und ich habe mir vorgestellt, dass sich da deine ganze Power und Klarheit versammelt hat und weiter liebevoll auf die Erde strahlt.

Deine Freundin, Nachbarin und Kollegin
Gisela

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Uwe Nachtsheim sagt
29.06.2020 06:57

Liebe Gerda,

jetzt ist alles anders!
Ich komme zu dir seit 2008 zu lehr-Supervisionen. Als du im April d.J. auf meine Terminanfrage nicht reagiertest, bekam ich plötzlich sorgenvolle Gedanken, die sich jedoch bald verflüchtigten. Aus anderen Gründen verfolgte ich meine Anfrage nicht mit der ursprünglich gedachten Dringlichkeit.

Bis zur letzten Woche! Da wurde ich plötzlich unruhig und ich wollte es genau wissen. Da war es plötzlich: „Die DGSF trauert um Gerda Jerusalem.“

Sofort kamen mir Bilder aus den vielen Begegnungen in deiner Praxis in den Sinn: Ich sehe es genau wie du mich fragst, ob ich einen Kaffee wolle, ich sehe, wie du dich in deinen Stuhl setzt und mich dann fragst:
„Was bringen Sie heute mit?“
Du wirkst entspannt - ich fange augenblicklich an zu arbeiten. Ich sehe deine Art der Zugewandtheit, dein Zuhören, dein Beobachten, deine Aufmerksamkeit für das was kommt.

Deine Art war geprägt von Warmherzigkeit, Wertschätzung und Interesse für dein Gegenüber. Auf leichte spielerische Art ließest du nicht locker. Du warst daran interessiert, daß dein Klient für sich etwas rausfindet und eine Lösung mit nach Hause nehmen kann. Du brachtest Erkenntnisse auf den Punkt, und bliebst „dran“. Du hast mich immer wieder gefordert, fasziniert und weitergebracht. Für mich warst du eine lehrmeisterin. Eine Lehrmeisterin, zu der ich aufschauen und gleichzeitig auf einer Augenhöhe sein konnte.

In den vielen Sitzungen habe ich Notizen und Skizzen gemacht, in die ich immer wieder reinschauen werde, wo ich etwas nachlesen kann, wo ich dich dann wiedererkenne. So, als würdest du neben mir sitzen.

Gerda, Du fehlst mir: als eine hervorragende Lehr-Supervisorin und als Mensch.
Danke für die Zeit mit dir.
Danke, daß ich dich erleben durfte.
Uwe Nachtsheim, im Juni 2020