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Inklusion in der Jugendhilfe

Die Diskussion um eine inklusive Kinder- und Jugendhilfe wurde im Jahr 2016 engagiert geführt. Deutlich wurde, dass es zwar durchaus sinnvoll ist, für behinderte und nicht behinderte Kinder eine gemeinsame Zuständigkeit zu entwickeln, aber die unterschiedlichen Systeme „Kinder- und Jugendhilfe“ und „Behindertenhilfe“ nicht problemlos zusammenzuführen sind. In beiden Systemen gibt es neben den verschiedenen Finanzierungsarten, Bedarfsplanungen- und Fortschreibungen, ein anderes Selbstverständnis, andere gewachsene Kulturen und Begriffe, die unterschiedlich besetzt sind. So stellt es durchaus eine Herausforderung dar, die jeweils andere Systemlogik zu verstehen, um perspektivisch eine gemeinsame Sprache zu entwickeln. Grundlage hierfür ist, sich kennenzulernen, gemeinsame Ziele zu erarbeiten, Unterschiedlichkeiten wertschätzend nachzuvollziehen und für den Gesamtprozess sinnvoll zu nutzen.

Dieser Prozess braucht Zeit. Da die Ausgestaltung gesetzlicher Bestimmungen in die nächste Legislaturperiode verschoben wurde, muss jetzt an den zentralen Themen im Dialog von Jugend- und Behindertenhilfe gearbeitet werden. Die DGSF hat den Fachverbänden ihre systemische Expertise zur Begleitung und eine aktive Mitarbeit angeboten und an den Dialogforen des Bundesfamilienministeriums mit dem Deutschen Verein „Zukunft der Jugendhilfe“ teilgenommen - weitere Informationen.

Aktuelles

Das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu) in Berlin veranstaltet unter Beteiligung des Bundesfamilienministeriums das Dialogforum "Bund trifft kommunale Praxis" Inklusive Kinder- und Jugendhilfe aktiv miteinander gestalten. Die DGSF ist eingeladen worden, sich an den Expertengesprächen, die im Rahmen des Forums stattfinden, zu beteiligen.

Die Folien zu dem Expertengespräch am 25./ 26. Januar 2018 zum Thema "Was brauchen Kinder und Jugendliche heute mit Blick auf die Große Lösung?“ sind auf der Homepage des Difu eingestellt.

Fachtagung am 31. Mai 2017 in Frankfurt „Inklusion wohin? Schritte auf dem Weg zu einer inklusiven Kinder- und Jugendhilfe?!

Die vier deutschen Fachverbände für Erziehungshilfen IGfH (Internationale Gesellschaft für erzieherische Hilfen), AFET (Bundesverband der Erziehungshilfen), EREV (Evangelischer Erziehungshilfeverband) und BVkE (Bundesverband katholischer Einrichtungen und Dienste der Erziehungshilfen) haben am 31. Mai 2017 die Verbände der Behindertenhilfe zu einer Fachtagung eingeladen, um den Dialog zwischen beiden Systemen wieder aufzunehmen und den Verständigungsprozess fortzusetzen.

Die DGSF ist eingeladen worden, einen Vortrag „Weiterentwicklung der Jugendhilfe und Inklusion: ein systemischer Zwischenruf“ zu halten. Der Vorsitzende der DGSF, Dr. Björn Enno Hermans und die Fachreferentin für Jugendhilfe und Soziale Arbeit, Birgit Averbeck, haben folgende sechs Themenschwerpunkte, die für eine inklusive Jugendhilfe relevant sind, ausgesucht und sie durch die „systemische Brille“ auf Wirkungen und Nebenwirkungen hin angeschaut:

Kinderrechte stärken, Hilfeplanung, Perspektivklärung für Pflege- und Heimkinder, Sozialraumorientierung, Steuerungsverantwortung der Jugendämter, Kinderschutz

Die Veranstaltung war mit ca. 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmern gut besucht. In fünf Vorträgen wurden verschiedene Aspekte des Themas aufgegriffen und ausblickend unter anderem Folgendes resümiert:

  • Durch die Reform der Eingliederungshilfe erfolgt zurzeit eine intensive Befassung mit Abgrenzungsfragen. Abgrenzungen und Zuständigkeiten beschreiben Zuschreibungen, die wenig mit der benötigten Unterstützung zu tun haben. Umso wichtiger ist es, den Diskurs zwischen Jugend- und Behindertenhilfe offen zu halten und gemeinsam an relevanten Fragen zu arbeiten.
  • Die Leitorientierungen Hilfe – Erziehung – Entwicklung – Teilhabe dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Es darf keine Schlechterstellungen geben.
  • Es muss anerkannt werden, dass Behinderung nicht per se einen Bedarf ausschließt, der durch die Jugendhilfe zu decken ist.
  • Körperbezogenheit: Es muss eine Balance hergestellt werden zwischen einer eher körperfeindlich-orientierten Jugendhilfe und einer pflegerisch-körperbezogenen Behindertenhilfe.
  • Die Bedarfe behinderter Eltern müssen mitbedacht werden.
  • Es müssen interdisziplinäre Konzepte erarbeitet werden, die Schnittstellen und Übergänge berücksichtigen.
  • Die Fachverbände sind diejenigen, die Verantwortung für die Ausgestaltung eines inklusiven Gesetzes übernehmen müssen und wollen.

Die Beiträge aller Referenten und Referentinnen der Fachtagung sind auf der Homepage des AFET und der IGfH eingestellt.

Zur DGSF-Präsentation: „Weiterentwicklung der Jugendhilfe und Inklusion: ein systemischer Zwischenruf“ (ca. 1,2 MB).