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Wahl zur Kammerversammlung der Ostdeutschen Psychotherapeutenkammer (OPK) - systemische Kandidatinnen

Noch bis 26. Januar wird die neue OPK-Kammerversammlung gewählt. Unter den KandidatInnen sind auch drei DGSF-Mitglieder, die sich gezielt für Systemische Therapie einsetzen. Kerstin Dittrich, berufs- und sozialpolitische Referentin der DGSF, hat den Kandidatinnen Fragen zu ihrer Kandidatur gestellt.

 

 Braeutigam

Fragen an Prof. Dr. Barbara Bräutigam, PP-Kandidatin in Mecklenburg-Vorpommern

Frage: Wofür würden Sie sich im Falle Ihrer Wahl besonders einsetzen?

Antwort: Ich würde mich für eine bessere Verzahnung von erwachsenen- und kinder- und jugendtherapeutischen in einem familientherapeutischen Sinne einsetzen sowie für bessere Möglichkeiten, im ambulanten Rahmen Familien psychotherapeutisch in den Blick zu nehmen.

Frage: Glauben Sie, dass Sie als Systemikerin einen besonderen Beitrag zur Arbeit in der OPK-Kammerversammlung leisten können? Wenn ja, wie könnte der aussehen?

Antwort: Ich glaube, dass ich als Systemikerin einen absolut notwendigen und längst überfälligen Beitrag leisten könnte, die besonders in Deutschland herrschende Monokultur von kassenfinanzierten psychotherapeutischen Angeboten durch meine Anwesenheit zumindest minimal zu verstören.

Frage: Bitte mal träumen – wenn Sie einen Wunsch an Gesundheitsminister Gröhe frei hätten, was wäre das?

Antwort: Eine angemessene Finanzierung von psychotherapeutischen Behandlungsmöglichkeiten für Flüchtlinge und deren Familien.


Aurig

Fragen an Ulrike Aurig-Böttcher, PP-Kandidatin in Sachsen

Frage: Glauben Sie, dass Sie als SystemikerIn einen besonderen Beitrag zur Arbeit in der OPK-Kammerversammlung leisten können? Wenn ja, wie könnte der aussehen?

Antwort: Ich vermute, dass nun in der 3. Wahlperiode der OPK die Grundlagen der Etablierung und die Regularien für die Anerkennung unseres Berufsstandes weitestgehend gesichert sind. Und ich hoffe, die OPK-Kammer ist ein Verbund, in dem PsychotherapeutInnen die Grenzen und Reserven der heutigen „Versorgung“ von psychisch Kranken wahrnehmen und Veränderungs-und Entwicklungsmöglichkeiten konstruktiv beleuchten. Vielleicht wird uns PsychotherapeutInnen unterschiedlichster Ausbildungen zusammen deutlich, dass uns vor allem die KOMPETENZ im Gestalten von BEZIEHUNGEN auszeichnet und nicht viel mehr. Dadurch unterscheiden wir uns von anderen Berufsspezialisierungen im Gesundheitssystem. Ich wünsche mir, dass diese Beziehungskompetenzen nicht nur im 50 min Takt der dyadischen Therapiestunde genutzt werden. Die Anerkennung der systemischen Therapie kann dabei eine Bereicherung sein, fördert die alldienliche Kommunikation, ist wesentlich zeiteffektiver und für Therapeuten gesünder. In der OPK-Kammerversammlung möchte ich meine systemisches Können auch in der Gesprächs-und Arbeitsgestaltung einsetzten. Vielleicht wird uns erlebbar, dass Unterschiede und Probleme als systemische Zusammenhänge und interpersonelle Konflikte verstanden und gelöst werden können. Das könnte Kräfte bündeln und u.a. Bedingungen fordern, systemische Kompetenzen mehr in interdisziplinären Gesundheitsnetzen, anerkannten Weiterbildungen oder sogar dem Leiten von Gesundheitsambulanzen einzubringen. Vielleicht entstehen Möglichkeiten für neue Wege der Zusammenarbeit unterschiedlichster Spezialisierungen.

Frage: Erzählen Sie uns etwas über sich. Wie arbeiten Sie? Was ist Ihnen bei Ihrer Arbeit besonders wichtig?

Antwort: In meiner Arbeit als KV-zugelassene Verhaltenstherapeutin spielt die systemische Therapie eine große Rolle für die Effizienz der Arbeit und auch meine eigene Gesundheit und Freude am Beruf. Wenn ich meine diagnostische und pathologiewissengetönte Wahrnehmungsbrille aufsetze, gelingt es mir meist nicht, die Vielfalt und Originalität des Klienten zu sehen und einen schwingenden und beseelten Beziehungsraum zu halten. Deshalb vergesse ich diese Brille oft, während ich mich durch systemisches Fragen, Focusing und echtem Interesse an den Ressourcen und Lebensweisheiten für das Gegenüber öffne und mich an meiner Körperwahrnehmung und meiner Intuition orientiere. Ich stelle mich sozusagen als Gefäß für das „Leid“ des Gegenüber zur Verfügung, helfe bei der Transformation, binde mich selbst an universelles Wissen und Meditation, bin selbst in Bewegung und Veränderung.

Frage: Welche Rolle spielt Systemische Therapie in Ihrer Arbeit?

Antwort: Systemische Therapie erweitert meinen Horizont, die Lösungsmöglichkeiten, den Spaß, den Vorstellungsraum, die Kreativität, die Herzverbindung u.v.m. Bezugspartner kommen oft dazu, die Therapie ist effizienter, Supervisionen fröhlicher. Auch diagnostisch erschließt sich mehr, wenn ich z.B. das Genogramm hinzuziehe oder Symptome aufstelle und der Interaktion mit inneren Anteilen Raum gebe. So bekomme ich z.B.in  Aufstellungen lebendige Anbindung an tiefere (Ge)Schichten und viel Informationen zur focusierten Weiterarbeit. Mit Familien-und Systemaufstellungen arbeite ich seit vielen Jahren in einer Fachgruppe Aufstellung, in der die Stellvertreter systemisch geschulte Fachkräfte sind. Das ist denke ich ein gutes kollegiales Modell, jedoch ist es bisher im Gesundheitssystem in keinster Weise etabliert.

Frage: In guter systemischer Manier: Angenommen heute Nacht würde eine gute Fee über Ihre Praxis/Ihren Arbeitsplatz fegen und alle Schwierigkeiten wären dort beseitigt; woran würden Sie dies als erstes merken?

Antwort: Am Morgen nach dieser Feennacht würde ich erholt und freudig in das Arbeitshaus mit kleinem Garten und in der Stadt fahren und zunächst mit den anderen systemisch geschulten Kollegen …

.. weiter „gesponnen“: Wir sitzen meditierend zusammen, besprechen strukturiert den Tag, die wichtigsten Dinge, bevor aus allen Richtungen unterschiedlichste Klienten in die Gesundheitsambulanz herbeiströmen. Es finden Kurzzeit-und Erlebenstherapien einzeln und in Gruppen statt, für viele Klienten ist es zeitweise wie eine Tagesklinik. Die KollegiInen sind systemische Fachkräfte, z.B. Sozialpädagogen, Kunst- und Körpertherapeuten, Ärzte… Ich/wir habe die finanzielle Möglichkeiten und das Vertrauen der Krankenkassen, selbstregulierend für ein stimmiges Vergütungssystem in unserem Haus zu sorgen.


Breuer-Radbruch

Fragen an Barbara Breuer-Radbruch, KJP-Kandidatin in Sachsen-Anhalt

Frage: Erzählen Sie uns etwas über sich. Wie arbeiten Sie? Was ist Ihnen bei Ihrer Arbeit besonders wichtig?

 Antwort: Ich arbeite als tiefenpsychologisch fundierte Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin in eigener Praxis – nach den Regeln der Richtlinienpsychotherapie. Als systemische Therapeutin sehe ich jedoch auch immer wieder deutlich, wie die Symptomatiken der Kinder verknüpft sind mit der Verfassung und Lebenssituation der Eltern, so dass systemisches Denken und Intervenieren in meine Arbeit selbstverständlich mit einfließt, getreu dem Motto: „Ich kann nicht weniger tun, als ich kann.“ Neben der Tätigkeit in der Praxis arbeite ich als Dozentin, Lehrsupervisorin, Ambulanz- und Ausbildungsleiterin in der Ausbildung zukünftiger Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten am MAPP (Magdeburger Ausbildungsinstitut für Psychotherapeutische Psychologie) mit. Neben meinem langjährigen berufspolitischen Engagement an verschiedenen Stellen bin ich auch durch diese Arbeit ständig mit Fragen der Weiterentwicklung unseres Berufes sowie mit den Auswirkungen berufspolitischer Fragestellungen auf die Versorgung psychisch Kranker und die Profession befasst. Und natürlich finden auch systemische Denk- und Frageweisen immer wieder ihren wichtigen Platz in Leitungs-, Supervisions- und Ausbildungsfragen.

Frage: Bitte mal träumen – wenn Sie einen Wunsch an Gesundheitsminister Gröhe frei hätten, was wäre das?

Antwort: Da würden mir spontan mehrere Wünsche einfallen, die Kinder dürfen bei mir immer 3 Wünsche äußern, diese Freiheit nehme ich mir jetzt auch – ohne mir als Erstes eine Wunschmaschine zu wünschen.

Ich würde mir wünschen, dass – endlich – die systemische Therapie auch offiziell ihren angemessenen Platz im Gesundheitssystem bekommt und zur Versorgung der Patienten zugelassen wird und nicht nur „hinter dem Aushängeschild anderer Verfahren“ arbeiten darf. Ich kenne viele Systemiker, die in der Richtlinientherapie ihre systemische Kompetenz zum Wohle der Patienten einbringen, ohne dass dies offiziell geht. Als ich 2004 meine systemische Ausbildung beendete, gab es eine Einschätzung, dass die Anerkennung der systemischen Therapie „noch mindestens 5 Jahre“ dauern würde. Ich hoffe es werden nicht 5 x 5 Jahre.

Weiterhin wünsche ich, dass im Rahmen der Überarbeitung der Psychotherapierichtlinien eine Flexibilisierung zu erreichen ist, die die Versorgung von Patienten passgenauer und individueller ermöglicht. Weiterhin wäre in diesem Zusammenhang wünschenswert, die nicht-patientenbezogene Arbeitszeit zu verringern, also auch das Antragsverfahren zu vereinfachen und das jetzt manchmal doch starre Korsett der Richtlinienpsychotherapie zu aufzulockern, ohne dabei die Qualität der Versorgung zu gefährden.

Ein dritter Wunsch bezöge sich auf die weitere Entwicklung unsere Profession. Als Kindertherapeutin würde ich mir von Herrn Gröhe wünschen, dass in den neuen Gesetzen zur Ausbildung von Psychotherapeuten - und der damit verbundenden Entwicklung der Profession - die besonderen Fähigkeiten der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten, die für die Versorgung aus meiner Sicht unumgänglich sind, auch weiterhin ihren Raum bekommen. Wie immer die Ausgestaltung der Ausbildung dann im Einzelnen aussieht, sollten die pädagogischen, aber auch die durch die Arbeit mit Familien und sozialen Systemen bedingten Sichtweisen und Kompetenzen berücksichtigt werden. Weiterhin gehört zu diesem Wunsch auch die Möglichkeit der Ausbildung in den weiteren vom wissenschaftlichen Beirat anerkannten Therapieverfahren wie der systemischen und der Gesprächspsychotherapie.

Frage: Was hat Sie dazu motiviert, für die Wahl zur OPK-Kammerversammlung zu kandidieren und wofür würden Sie sich im Falle Ihrer Wahl besonders einsetzen?

Antwort: Ich bin seit meiner Niederlassung berufspolitisch aktiv. Seit mehreren Jahren bin ich im Vorstand des bkj (Berufsverband der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten) und in der letzten Wahlperiode berufenes Mitglied im „Ausschuss für besondere Belange der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie“ der OPK. In den Kammern werden wesentliche politische Aktivitäten unsere Profession betreffend vorangebracht und entschieden, teils in langwierigen politischen Abstimmungsprozessen. Da es mit den Wünschen im echten Leben nur was wird, wenn man etwas dafür tut, habe ich mich entschieden, für die OPK-Kammerversammlung zu kandidieren. Meine wichtigsten Ziele leiten sich daher aus meinen oben geschilderten Wünschen ab. Neben den oben genannten Themen sind mir noch berufsrechtliche Fragestellungen wichtig, die gerade auch im KJP-Bereich oft hoch komplex sind und die damit ein Bereich sind, für den ich mich engagieren werde.