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G-BA-Prüfung der Systemischen Therapie - FAQ

Fragen und Antworten zur Bewertung Systemischer Therapie durch den G-BA.

FAQ zur beginnenden Prüfung Systemischer Therapie durch den G-BA

In seiner Sitzung am 18. April 2013 hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) beschlossen, das Bewertungsverfahren nach § 135 Abs. 1 des Sozialgesetzbuchs V (SGB V) für Systemische Therapie für Erwachsene zu beginnen. Sollte die Prüfung mit einer positiven Bewertung enden, wird Systemische Therapie für Erwachsene in den Leistungskatalog gesetzlicher Krankenversicherungen (GKV) aufgenommen. Systemische Therapie würde dann zu einem sogenannten Richtlinienverfahren werden.
Mit dem Beginn der Prüfung ergeben sich für Systemiker_innen einige Fragen, die wir in den hier folgenden FAQ zusammengefasst haben:


Wer oder was ist der „G-BA“?

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) ist das oberste Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung der Krankenkassen, Krankenhäuser, Ärzt_innen, Zahnärzt_innen und Psychotherapeut_innen in Deutschland. Er beschließt u.a., welche Leistungen von den gesetzlichen Krankenversicherungen bezahlt werden. Diese Leistungen sind im 5. Sozialgesetzbuch (SGB V) beschrieben.
Der G-BA wird durch die vier großen Spitzenorganisationen der Selbstverwaltung im deutschen Gesundheitswesen gebildet: der Kassenärztlichen und Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung, der Deutschen Krankenhausgesellschaft und dem GKV-Spitzenverband (der zentralen Vertretung der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen). Weiterhin sind im G-BA Patientenvertreterinnen und Patientenvertreter vertreten. Sie sind antrags- jedoch nicht stimmberechtigt und sind an allen Beratungen des G-BA beteiligt (wenn auch mit deutlich weniger zur Verfügung stehenden Ressourcen). Darüber hinaus arbeiten eine Reihe unparteiischer Hauptamtlicher im G-BA. Kommt es im Plenum zu Abstimmungen, sind die dreizehn Stimmen wie folgt verteilt: 3 Stimmen der G-BA Unparteiischen (Vorsitzende_r + zwei unparteiische Mitglieder), 5 Vertreter_innen des GKV Spitzenverbandes, 5 Vertreter_innen der drei Leistungserbringerinnen (Kassenärztliche Bundesvereinigung, Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung, Deutschen Krankenhausgesellschaft).

Was ist ein „Richtlinienverfahren“?

Der G-BA legt in der sogenannten Psychotherapie-Richtlinie fest, welche Psychotherapieverfahren als Leistung von den gesetzlichen Krankenversicherungen übernommen werden. In Deutschland sind das derzeit die Verhaltenstherapie, die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie sowie die analytische Psychotherapie. Bei einer positiven Bewertung des G-BA würde auch die Systemische Therapie ein Richtlinienverfahren werden.


Was ist der Unterschied zwischen „berufsrechtlicher Anerkennung“ und „sozialrechtlicher Anerkennung“?

Die berufsrechtliche Anerkennung, die die Systemische Therapie bereits 2008 erhalten hat, bedeutet eine Einordnung nach dem Psychotherapeutengesetz durch den Wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie. Eine Ausbildung zum_r Psychotherapeuten_in, an dessen Ende die Approbation als Psychologische_r Psychotherapeut_in bzw. Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut_in steht, kann nur in einem wissenschaftlich anerkannten Psychotherapieverfahren absolviert werden. Außer in den Richtlinienverfahren (s.o.) kann eine Ausbildung mit Approbation im Vertiefungsgebiet Systemische Therapie und Gesprächspsychotherapie absolviert werden. Es heißt „berufsrechtliche Anerkennung“, weil es den Zugang zum Beruf des_r Psychotherapeuten_in nach dem Psychotherapeutengesetz regelt. Es gibt bereits einige Institute, die Ausbildungen zum_r Psychotherapeuten_in im Vertiefungsbebiet Systemische Therapie anbieten.
Sozialrechtliche Anerkennung hingegen bedeutet die Aufnahme eines Psychotherapieverfahrens ins SGB V als Leistung gesetzlicher Krankenkassen und ist gleichbedeutend mit der Einstufung als Richtlinienverfahren. Diese sozialrechtliche Anerkennung wird für Systemische Therapie gerade vom G-BA geprüft.


Ich habe eine Systemische Weiterbildung absolviert und habe ein SG/DGSF – Zertifikat: Werde ich mit diesen Voraussetzungen nach einer möglichen positiven Bewertung Systemischer Therapie durch den G-BA meine Leistungen mit den gesetzlichen Krankenkassen abrechnen können?

Mit den Krankenkassen abrechnen können wird im Regelfall nur, wer eine Approbation im Vertiefungsgebiet Systemische Therapie und einen Kassensitz erhält.
In manchen Gebieten, in denen keine approbierten Psychotherapeut_innen zur Verfügung stehen, wird es vermutlich auch weiterhin Einzellösungen geben, in denen auch Kolleg_innen ohne Approbation abrechnen können.

Ich bin Diplom-Psychologe_in, bzw. habe einen Master in Psychologie, habe eine Systemische Weiterbildung gemacht und ein SG/DGSF – Zertifikat. Werde ich dann nach einer möglichen sozialrechtlichen Anerkennung mit den gesetzlichen Krankenkassen abrechnen können?

Auch hier gilt dasselbe wie in der vorherigen Antwort.

Welche Voraussetzungen braucht es, damit ich eine Approbationsausbildung im Vertiefungsgebiet Systemische Therapie machen kann?

Die Voraussetzungen, um eine Approbationsausbildung zum_r Psychotherapeuten_in zu machen, sind gesetzlich für alle wissenschaftlich anerkannten Verfahren gleichermaßen geregelt. Als Voraussetzungen für die Ausbildung zum_r Psychologischen Psychotherapeuten_in ist ein Diplom oder Master in Psychologie nötig, für die Ausbildung zum_r Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten_in ein Diplom oder Master in Psychologie oder Pädagogik oder Sozialpädagogik.
Da das Psychotherapeutengesetz, das die Zugänge regelt, noch vor der Umstellung auf Bachelor/Master-Abschlüsse geschrieben wurde, bleibt es den jeweiligen Landesämtern vorbehalten, ob im Bereich der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie als Zugang ein Bachelor- oder Masterabschluss nötig ist. In den allermeisten Fällen wird aber ein Masterabschluss gefordert.


Wie lange dauert eine Approbationsausbildung in Systemischer Therapie?

Die Ausbildung muss laut Psychotherapeutengesetz mindestens drei Jahre dauern. Um die mindestens 4200 Stunden Ausbildung zu absolvieren, kann man aber eher mit einer mittleren Dauer von fünf Jahren rechnen.

Woraus setzt sich die Approbationsausbildung in Systemischer Therapie zusammen?

Wie in den anderen Verfahren setzt sich die Ausbildung folgendermaßen zusammen:

  • 600 Stunden Theorie
  • 1200 Stunden praktische Tätigkeit 1 in einer psychiatrischen Klinik
  • 600 Stunden praktische Tätigkeit 2 in einer psychosomatischen Klinik oder psychotherapeutischen Praxis
  • 120 Stunden Selbsterfahrung
  • 600 Stunden Praktische Ausbildung Patientenbehandlung in einer Instituts-Ambulanz oder Lehrpraxis
  • 150 Stunden Supervision
  • mindestens 930 Stunden „Freie Spitze“: die Inhalte werden vom Ausbildungsinstitut festgelegt

Wird es Übergangsregelungen geben, mit denen sich systemische Therapeut_innen für eine Approbation zum_r Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten_in bzw. Psychologischen Psychotherapeuten_in nachqualifizieren lassen können?

Es wird keine Übergangsregelungen geben, in denen nur noch einige wenige Stunden nachgemacht werden müssten. Das hängt damit zusammen, dass sich 1999, als die Übergangsregeln für den Erhalt der Approbation geschaffen wurden, ein Bundesgesetz neu installiert wurde. Mit der möglichen Kassenanerkennung Systemischer Therapie ändert sich hingegen kein Gesetz, sondern lediglich eine Bestimmung im SGB V.
SG und DGSF setzen sich aber bereits dafür ein, dass Teile der Systemischen Weiterbildung für eine Approbationsausbildung anerkannt werden. Die Entscheidung darüber fällt das Landesprüfungsamt des Bundeslandes in dem die Approbationsausbildung gemacht wird.
Für eine Approbation im Vertiefungsgebiet Systemische Therapie muss also auf jeden Fall eine eigene Approbationsausbildung absolviert werden. Das ist eine bundesgesetzliche Bestimmung und liegt nicht im Einflussbereich der systemischen Institute oder Dachverbände.


Das Bewertungsverfahren des G-BA prüft Systemische Therapie für Erwachsene. Was ist mit Systemischer Therapie für Kinder und Jugendliche?

Höchstwahrscheinlich wird auch dieser Prüfungsantrag gestellt werden. Ein genauer Zeitpunkt kann aber noch nicht genannt werden, da der Antrag wiederum nur von den Vertreter_innen der Spitzenverbände im G-BA bzw. den Hauptamtlichen des G-BA selbst gestellt werden kann. Wir rechnen aber damit, dass die Bewertung auch für den Bereich von Kindern- und Jugendlichen bald beginnen wird.

Innerhalb welcher Zeit kann man mit einer Entscheidung des G-BA für die Bewertung Systemischer Therapie für Erwachsene rechnen?

Die Dauer der Bewertung hängt von vielen Faktoren ab und ist somit schwer bestimmbar. Nachdem das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Juni 2017 seinen Bewertungsbericht dem G-BA vorgelegt hat und in diesem Bericht in sieben von neun Störungsbereichen Anhaltspunkte und Hinweise für einen Nutzen systemischer Therapie bescheinigt wurden, müsste der Entscheidungsprozess innerhalb der nächsten ein bis zwei Jahre abgeschlossen sein.
Hierzu gibt es aber seitens des G-BA keine Zusagen und leider auch keine geregelten Fristen für die weitere Beratungszeit.

Und für den Kinder- und Jugendlichenbereich?

Da hier der Antrag zur Bewertung Systemischer Therapie noch nicht gestellt wurde, lässt sich dazu im Moment noch nichts sagen.

Wie kann man sich das Gutachterverfahren vorstellen, das vermutlich kommen würde, wenn systemische Therapie Kassenleistung würde?

Das wird nach der möglichen G-BA-Anerkennung im Rahmen der dann zu erstellenden Vereinbarungen zu Systemischer Therapie neu zu regeln sein und kann derzeit noch nicht vorausgesagt werden.
Als Dachverbände arbeiten wir aber bereits an entsprechenden Vorschlägen.

Wie viele Stunden würden für eine Kurz- bzw. Langzeittherapie in systemischer Therapie von den gesetzlichen Krankenversicherungen genehmigt werden?

Siehe vorherige Antwort: Die von den gesetzlichen Kassenkassen finanzierten Therapiekontingente werden erst nach der G-BA-Anerkennung in den Psychotherapie-Richtlinien geregelt werden.

Falls in Zukunft Psychotherapeut_innen im Vertiefungsgebiet Systemische Therapie einen Kassensitz erhalten und mit den gesetzlichen Krankenversicherungen abrechnen können, wird es dann nicht eine große Konkurrenz zu den systemischen Therapeut_innen geben, die über die Heilpraktiker-Erlaubnis Systemische Therapie anbieten, die die Klient_innen selbst bezahlen?

Im Moment laufen deutschlandweit die ersten Ausbildungskurse an, die zur Approbation im Vertiefungsgebiet Systemische Therapie führen. Bis eine flächendeckende Versorgung mit systemischen Kassentherapeut_innen gewährleistet sein wird, werden mehrere Jahrzehnte vergehen.
Es wird weiterhin in vielen Bereichen des Gesundheits- und Sozialwesen einen hohen Bedarf an systemischen Therapeut_innen und Berater_innen ohne Approbation geben.

Wird es weiterhin Weiterbildungen in Systemischer Therapie und Beratung geben, die nicht zur Approbation führen?

Auf jeden Fall. Es wird weiterhin einen großen Bedarf an systemischen Therapeut_innen und Berater_innen ohne Approbation im Gesundheits- und Sozialwesen geben.

Ändern sich für die nicht zur Approbation führenden Weiterbildungen die Zugangsvoraussetzungen?

Nein, sie bleiben unverändert. Voraussetzung ist der Abschluss in einem humanwissenschaftlichen Studium.


 

 

Übernahme von der Website der SG: http://systemische-gesellschaft.de/verband/aufgaben/berufspolitik/faq/ (9/2017)