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Forum „Politischer Zwist zuhause: Wie umgehen mit Fremdenfeindlichkeit in der eigenen Familie?“

Ergebnisprotokoll des Forumthemas „Politischer Zwist zuhause: Wie umgehen mit Fremdenfeindlichkeit in der eigenen Familie?“ im Rahmen des DGSF-Verbandstags am 5. April 2019 in Karlsruhe

Zu Beginn des Dialogs fand zur Einstimmung auf das Thema in Einzelarbeit eine kurze Auseinandersetzung mit den eigenen wichtigen Werten im Leben statt.

Konflikte und Zwist gehören zum Alltag eines Familienlebens. Geht es um Fremdenfeindlichkeit und politisch radikale Meinungen, werden Konflikte schnell bedrohlich. Sie stellen Werte in Frage und schaffen Unsicherheiten im Blick auf „Zugehörigkeit“ als einem elementaren Grundbedürfnis.

Folgende grundsätzliche Erkenntnisse wurden erarbeitet und Phänomene beobachtet:

  • Das jahrzehntelange kollektive Schweigen einer ganzen Generation und das Nichtaufarbeiten von Ausgrenzungen in Deutschland (Kriegsgenerationen) kann Einfluss auf heutige radikale Äußerungen und Einstellungen haben
  • Einzelbeispiele werden verallgemeinert und diskreditieren ganze Bevölkerungsgruppen
  • Geheimhaltung von politischen Einstellungen (z. B: nur hinter vorgehaltener Hand wird berichtet, dass Tante A und Onkel B die AfD wählen)
  • Durch Lagerbildungen geht das Verbindende verloren
  • Differenzierte Äußerungen sind kaum möglich. Es gibt keine „Graubereiche“ mehr, denn entweder bist du für oder gegen mich. Das bewirkt die Gefahr von symetrischen Eskalationsspiralen, d. h. selbst radikal zu argumentieren
  • Die Macht der eigenen Glaubenssätze und die Herausforderung, sich daraus zu befreien

Eine Auseinandersetzung mit Fremdenfeindlichkeit und Rechtsradikalität in der eigenen Familie ist emotional hoch besetzt. Es entstehen Gefühle von:

  • Entsetzen
  • Scham und Scham über die Scham (ich schäme mich, dass ich mich für meine Mutter schäme)
  • Sprachlosigkeit
  • Herabwürdigung
  • Widerstand, Werte zu verlassen
  • Angst, sich nicht mehr trauen, kritisch zu sein

In der Diskussion wurden mögliche Handlungsoptionen zusammengestellt:

  • Mit Menschen sprechen. Es ist keine Option, es nicht zu tun
  • Sich vergegenwärtigen, dass jede Botschaft eines Menschen etwas über ihn selbst und seine Ängste und Bedürfnisse (Neid, Verlustangst, Zurücksetzung etc.) aussagt. Diese Botschaften als Themen nehmen und die Betroffenheitsebene verschieben (paraphrasieren)
  • Bereitschaft, verstehen zu wollen, was hinter den Botschaften wirklich steht
  • Unsere Geschichte als Familie und Volk mitdenken
  • Beispiele guter Integration benennen (z. B. auch in der eigenen Familie)
  • Diskussion abbrechen und inhaltlich aussteigen
  • Rationalisieren im Sinne von „in Relation setzen und Kontexte beschreiben“
  • Klare eigene Positionierung als „Ich-Botschaft“ formulieren
  • Neugierig bleiben, auch in der Familie
  • Auch gute Absicht unterstellen (Eltern wollen Schutz ihrer Kinder etc.)

 

Protokoll: Birgit Averbeck