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1 Gegenstand und Ausgangslage des Pilotprojektes

Endbericht: Evaluation der DGSF-empfohlenen systemisch-familienorientiert arbeitenden Einrichtungen in der Kinder- und Jugendhilfe

Die Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie (DGSF) hat sich als berufsübergreifender Fachverband das Ziel gesetzt, systemisches Denken und Arbeiten in Organisationen und Berufsfeldern zu fördern und insbesondere die Systemische (Familien-)Beratung und (Familien-)Therapie zu verbreiten. Die DGSF lädt seit mehreren Jahren Organisationen aus der psychosozialen Praxis ein, an einem systemischen Qualitätsprozess teilzunehmen. Mehr als zwanzig Einrichtungen konnten inzwischen mit dem Qualitätssiegel "DGSF-empfohlene systemisch-familienorientiert arbeitende Einrichtung" ausgezeichnet werden, da sie qualitätsgesicherte systemisch-familienorientierte Arbeitskonzepte in der Kinder- und Jugendhilfe oder im klinischen Kontext (Gesundheitswesen) umsetzen [1].

Im Vorfeld des durchgeführten Pilotprojektes einer Evaluation haben sich, beginnend mit Dezember 2014, mehrfach Vertretende der Empfehlungsgruppe, der empfohlenen Einrichtungen sowie des DGSF-Vorstands zu beratenden Treffen zusammengefunden. Im Dezember 2015 wurde hieraus eine Arbeitsgruppe für die Entwicklung eines Evaluationskonzeptes und die Klärung weiterer damit verbundener Fragestellungen gebildet. Diese Arbeitsgruppe hat sich am 21. März 2016 in Frankfurt getroffen und über Inhalte zu der geplanten Evaluation beraten sowie Ziele der systemischen Arbeit mit Kindern/Jugendlichen und Angehörigen an Jugendhilfe-Einrichtungen formuliert.

Das Vorgehen der Evaluation wurde auf Grundlage der Treffen und in weiteren Gesprächen mit Vertretenden der Empfehlungsgruppe und des DGSF-Vorstands entwickelt. Sie richtet sich zum einen an den Standards für Evaluation (DeGEval 2016 [2]) und zum anderen an zentralen Gedanken des systemischen Ansatzes aus. Sie ist so angelegt, dass der DGSF sowie den empfohlenen Einrichtungen ein Mehrwert im Sinne einer fundierten Informationsbasis erwächst (siehe auch Abschnitt 2, Zweck und Fragestellungen der Evaluation).

Zum zugrundeliegenden Evaluationsverständnis ist anzumerken, dass eine einzelne Datenerhebung innerhalb der Evaluation als Momentaufnahme des dynamischen "Untersuchungsgegenstandes" (d.h. untersuchten dynamischen Systems) zu verstehen ist, welche anhand spezifisch dazu entwickelter Erhebungsinstrumente, Fragebogen oder Interviewleitfaden, erfolgt. Durch die Kombination verschiedener Datenerhebungen, befragter Personengruppen und eingesetzter Methoden (Triangulation) entsteht ein facettenreiches und insgesamt relativ umfassendes Bild des Evaluationsgegenstandes 'systemisches Arbeiten an den Jugendhilfe-Einrichtungen'. Es lässt eine differenzierte Sichtweise auf diesen zu und bietet bei Wiederholung die Gelegenheit Entwicklungen nachzuzeichnen. Bei allen Erhebungen kommt den Entwicklungsressourcen und -potentialen eine besondere Aufmerksamkeit zu.

Grundlage der Evaluation sind als zentrale Perspektiven die Erkenntnisinteressen der primären intendierten Nutzenden der Evaluation, konkret der DGSF sowie der Jugendhilfeeinrichtungen, da die Ergebnisse der Evaluation insbesondere hieran anknüpfungsfähig sein sowie den Nutzenden Orientierung für künftiges Handeln geben sollen. Im Rahmen der Datenerhebungen werden darüber hinaus die Perspektiven der Datengebenden erfasst und transparent gemacht. Schließlich bildet die damit geschaffene Transparenz zu den verschiedenen Perspektiven eine wichtige Grundlage für die Reflexion unterschiedlicher Wahrnehmungen und Wirklichkeitskonstruktionen von den beteiligten Mitarbeitenden und Leitungskräften der Einrichtungen, Jugendamtsvertretenden sowie den betroffenen Zielgruppen Kinder/Jugendliche und Eltern/Angehörige.

Dr. Dörte Schott, Freie Evaluatorin, Wiesbaden, info[at]doerte-schott.de, www.doerte-schott.de/



[1] Die DGSF-Empfehlung für eine Einrichtung stützt sich neben der Anzahl systemisch fort- und weitergebildeter Fachleitungen und FachmitarbeiterInnen darauf, dass mehrere Einrichtungen sich gegenseitig besuchen, anhand einer „Reflexionsliste systemische Prozessgestaltung“ ihre Arbeitsweise miteinander diskutieren und die Ergebnisse ihrer Besuche auf der o.a. Internetseite veröffentlichen. Hinzu kommt eine Selbstbeschreibung der Einrichtung („Wie arbeiten wir systemisch-familienorientiert?“ und Angaben zur Organisationsstruktur).
[2]
DeGEval – Gesellschaft für Evaluation e.V. (2016) (Hrsg.). Standards für Evaluation, 5. revidierte Auflage. Mainz.