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4.3.1 Befragung der Kinder und Jugendlichen

Endbericht: Evaluation der DGSF-empfohlenen systemisch-familienorientiert arbeitenden Einrichtungen in der Kinder- und Jugendhilfe

Folgende Kreisdiagramme (Abbildung 21 bis Abbildung 23) zeigen zunächst, anhand welcher Merkmale sich die Befragten beschreiben lassen: Über 90% der befragten 225 Kinder und Jugendlichen sind sechs bis 17 Jahre alt.

Abbildung 21

Abbildung 21: Alter der befragten Kinder und Jugendlichen

Knapp die Hälfte der Befragten hat im Rahmen der aktuellen Hilfemaßnahme bereits mindestens ein Jahr Kontakt zur betreuenden Einrichtung, weitere 44% seit mindestens zwei Monaten (Abbildung 22).

Abbildung 22

Abbildung 22: Kontaktdauer zur Einrichtung im Rahmen der aktuellen Hilfemaßnahme

Die Mehrheit der betreffenden Hilfemaßnahmen sind familienunterstützender Art (40%). In zehn Fällen trafen mehrere Kategorien auf die Hilfemaßnahme zu (Mehrfachnennung), weshalb hier insgesamt 235 statt 225 Fälle gezählt werden (Abbildung 23).

Abbildung 23

Abbildung 23: Kategorie der zutreffenden Hilfemaßnahme (N=235)

Die Einschätzungen der Kinder/Jugendlichen zur Hilfemaßnahme sind in der folgenden Abbildung 24 nach dem Grad der vollen Zustimmung sortiert. Dies ermöglicht einen Eindruck dazu, in welchen Bereichen die Zustimmung relativ hoch ist, und in welchen vergleichsweise niedrig.

Mit über 85% erhalten folgende vier Aussagen die höchste Zustimmung (grüne Balken):

  • Ich fühle mich von meinen Betreuungspersonen angenommen, so wie ich bin.
  • Ich weiß, wen ich fragen kann, wenn ich Hilfe brauche.
  • Ich weiß, dass ich etwas erreichen kann, wenn ich möchte.
  • Ich weiß, wer mir in schwierigen Situationen helfen würde, so gut sie/er kann.

Diese Aussagen sprechen wesentliche Ressourcen für eine erfolgreiche Hilfemaßnahme sowie für eine aussichtsreiche Entwicklung der Kinder bzw. Jugendlichen an: eine gute Beziehung zur Betreuungsperson (vorbehaltlich gegebenenfalls sozial erwünschter Antworten, vgl. Abschnitt 4.4), verfügbare Ansprechpersonen im Falle des Hilfebedarfs sowie eine Aussage, welche auf die Selbstwirksamkeit des Kindes/Jugendlichen schließen lässt.

Abbildung 24

Abbildung 24: Einschätzungen der Kinder/Jugendlichen zur Hilfemaßnahme (sortiert nach Höhe der vollen Zustimmung)

Auf der anderen Seite weisen Aussagen, bei denen des Öfteren nicht zugestimmt wird, ggf. auf Herausforderungen im Hilfeprozess hin. Folgende drei Aussagen fallen hier auf, indem mindestens 10% der Befragten nicht oder mindestens 5% gar nicht zustimmen:

  • Wenn etwas nicht gleich klappt, probiere ich es nochmal anders.
  • Bei Streit suche ich nach einer Lösung, die beide/alle weiterbringt.
  • Ich kann `Nein´ sagen, wenn ich etwas nicht möchte.

In Abbildung 25 sind Items mit statistischen Auffälligkeiten zusammengestellt, welche daher für die überarbeitete Version des Fragebogens ausgeschlossen werden. Sie haben entweder eine über 5% hinausgehende Rate an fehlenden Antworten (von oben: Items 5 bis 9), mit 95% Zustimmung einschließlich mehr als 80% voller Zustimmung eine hohe Redundanz (von oben: Items 3 und 4), oder eine starke Tendenz zur Mitte (>25%) in den Einschätzungen der Befragten (zusätzlich zu fehlenden Antworten, von oben: Items 1 und 2). Die äußerst hohe Rate an Zustimmung lässt die beiden betreffenden Items aus methodischer Sicht ungeeignet erscheinen, um zwischen den Befragten zu differenzieren und macht sie daher redundant. In den Fällen mit hoher Ausfallrate oder starker Tendenz zur Mitte scheint eine relevante Menge von Befragten bei der Einschätzung der Items unsicher zu sein, was durch diesbezügliche Pretest-Kommentare der Interviewenden zumindest in Teilen bestätigt wird.

Abbildung 25

Abbildung 25: Statistische Auffälligkeiten bei den Einschätzungen der Kinder/Jugendlichen zur Hilfemaßnahme

Die interviewende Person und ihre Einschätzung zum Kind/Jugendlichen

In Abbildung 26 wird deutlich, dass ein Aspekt der methodischen Vorgehensweise bei der praktischen Umsetzung der Befragung offenbar Schwierigkeiten bereitet: die Interviews nicht durch die jeweilige Betreuungsperson durchführen zu lassen. Die interviewende Person war in fast der Hälfte der Fälle identisch mit einer gut bekannten Betreuungsperson. Vermutlich lässt sich das Interview leichter umsetzen und in den Jugendhilfeprozess implementieren, wenn es von der Betreuungsperson selbst geführt wird.

Abbildung 26

Abbildung 26: Bekanntheitsgrad der interviewenden Person zum befragten Kind/Jugendlichen

Eine entferntere Person könnte hier durch ihre Einschätzung zum Kind oder Jugendlichen einen „fremden Blick“ einbringen (siehe Abbildung 27). Fraglich ist zudem, ob die Kinder/Jugendlichen auf alle Fragen ganz ehrlich antworten, wenn sie von ihrer Bezugsperson befragt werden – oder doch lieber so, wie sie meinen, dass diese das wünschen würde.

Die Fremdeinschätzungen der Interviewenden zu den Kindern/Jugendlichen werden im Rahmen des Pilotprojektes als zusätzliche Quelle für die Validierung der Selbsteinschätzungen genutzt: Sie bestätigen die jeweiligen Selbsteinschätzungen zumindest in Teilen.

Abbildung 27

Abbildung 27: Fremdeinschätzungen zum Kind/Jugendlichen, vorgenommen durch die interviewende Person

Dr. Dörte Schott, Freie Evaluatorin, Wiesbaden, info[at]doerte-schott.de, www.doerte-schott.de/