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4.1.1 Befragung der Mitarbeitenden

Endbericht: Evaluation der DGSF-empfohlenen systemisch-familienorientiert arbeitenden Einrichtungen in der Kinder- und Jugendhilfe

Zum Thema "Auftragsklärung" schätzen die Mitarbeitenden Aspekte wie die Einbeziehung von Beteiligten, die Aushandlung von Aufträgen und unterschiedlichen Interessen (z.B. Klient vs. Jugendamt), bis hin zur Akzeptanz unterschiedlicher persönlicher Wahrnehmungen der Beteiligten ein. Die Zustimmung schwankt bezüglich der sieben verschiedenen Items zwischen 99% und 79% (siehe Abbildung 7). Die größte Zustimmung erfährt die Aussage: "Wir legen Wert auf eine wertschätzende Kommunikation, welche eine Aushandlung unterschiedlicher Interessen ermöglicht."

Abbildung 7

Abbildung 7: Einschätzungen der Mitarbeitenden zur Auftragsklärung

Zum Themenbereich "Kommunikation zu Beziehungskontext und Lösungsmöglichkeiten" waren vierzehn Items einzuschätzen (siehe Abbildung 8), die sich zum einen auf die Haltung von Betreuenden gegenüber Klient_innen (Respekt, Wertschätzung, Allparteilichkeit, Ressourcenorientierung) und zum anderen auf das gemeinsame Herausarbeiten von Lösungswegen mit Klienten (und Angehörigen) beziehen. Die Zustimmung ist hoch bis sehr hoch (zwischen 97% und 87%). Die größte Zustimmung zeigt sich zur Aussage: "Wir begegnen Klient_innen mit Respekt und Wertschätzung auf Augenhöhe."

Abbildung 8

Abbildung 8: Einschätzungen der Mitarbeitenden zur Kommunikation zu Beziehungskontext und Lösungsmöglichkeiten

Zum Thema "Verhandlung über Sinn, Inhalt und Dauer der Hilfemaßnahme" wurde mit vier Items erfragt, inwiefern den Klient_innen Gelegenheit zu einer solchen Verhandlung gegeben wird (siehe Abbildung 9). Mit 84% die größte Zustimmung erfährt die Aussage: "Wir geben Gelegenheit zu steter Abstimmung zwischen Klient_innen und Betreuenden über Sinn und Inhalt der Hilfemaßnahme." Demgegenüber hat mit 69% die Aussage zur Abstimmung über die Dauer der Hilfemaßnahme die geringste Zustimmung ("Wir geben Gelegenheit zu steter Abstimmung zwischen Klient_innen und Betreuenden über die Dauer der Hilfemaßnahme."). In freien Kommentaren wird entsprechend eingewendet, dass die Dauer von Hilfemaßnahmen teilweise von Auftraggebenden bzw. dem Jugendamt oder von anderen Rahmenbedingungen bestimmt werde.

Abbildung 9

Abbildung 9: Einschätzungen der Mitarbeitenden zur Verhandlung über Sinn, Inhalt und Dauer der Hilfemaßnahme

Zum Thema "Wahl- und Mitentscheidungsmöglichkeiten von Klienten und Angehörigen" wurden mit fünf unterschiedlichen Items Möglichkeiten von Klienten (und Angehörigen) erfragt, eine Wahl zu treffen oder Elemente der Hilfemaßnahme wie Hilfeplan und Termindichte mitzugestalten (siehe Abbildung 10). 91% der Befragten bestätigen, sie "…passen Gesprächssettings (in Absprache mit den Beteiligten) dem Auftrag entsprechend an…". Nur knapp über die Hälfte (54%) geben an, dass sie "…die Termindichte am individuellen Bedarf der Klient_innen…" orientieren (können). In freien Kommentaren wird angemerkt, dass die Abstände zwischen den Treffen teilweise in Vereinbarungen mit dem Kostenträger (z.B. Jugendamt, Jobcenter) oder auch im Konzept der Einrichtung festgelegt sind. Mehrere Befragte kommentieren, dass sie "…mit den Jugendämtern (verhandeln), um die Termine individuell anpassen zu können...".

Abbildung 10

Abbildung 10: Einschätzungen der Mitarbeitenden zu Wahl- und Mitentscheidungsmöglichkeiten von Klienten und Angehörigen

Unter "Angebot reflexiver Gesprächssettings" werden Möglichkeiten zur erweiterten Reflexion in "Co-Teams" (84%) oder "im Tandem" (75%) sowie zum Einbeziehen von weiteren Personen in die Problemlösung (89%) bewertet (siehe Abbildung 11). Die etwas verhaltene Zustimmung von 75% wird von den Befragten teilweise damit begründet, dass nicht ganz klar sei, was mit dem Begriff "im Tandem" gemeint ist. ("Wir erweitern unsere Perspektive auf die Situation der Klient_innen, indem wir Beratungsgespräche 'im Tandem' durchführen.")

Abbildung 11

Abbildung 11: Einschätzungen der Mitarbeitenden zum Angebot reflexiver Gesprächssettings

Zu den neun Items im Hinblick auf "Angebote Selbsthilfe aktivierender Settings" liegt die Zustimmung insgesamt sehr hoch (siehe Abbildung 12): zwischen 96% zur Aussage "Wir unterstützen die Klient_innen sich für neue Sichtweisen zu öffnen." und 89% zur Aussage "Wir bestärken Verhaltensweisen, welche die Familien unabhängig von unserer Hilfemaßnahme stabilisieren." Hier geht es im Kern darum, den Klient_innen ein verbessertes Verständnis ihrer Situation zu ermöglichen, ihre Handlungsmöglichkeiten zu erweitern und Selbstorganisation zu unterstützen. Mit 29% Zustimmung als Ausreißer zu werten ist die Aussage: "Wir setzen Pausen in der Hilfe gezielt ein, um Abhängigkeiten zu vermeiden." In freien Kommentaren zu diesem Themenbereich wird deutlich, dass der Gestaltungsspielraum diesbezüglich durch Vorgaben von Auftraggebenden (Jugendamt/ASD, Jobcenter), durch Schulpflicht oder durch Kindeswohlgefährdung eingeschränkt sein kann. Andere Befragte erläutern, dass sie statt Pausen einzusetzen, eine Hilfe beenden – mit der Option wieder einzusteigen.

Abbildung 12

Abbildung 12: Einschätzungen der Mitarbeitenden zu Selbsthilfe aktivierenden Settings 

Beim Thema "Verhandlung in akuten Gefährdungssituationen" geht es um das Erhalten von Entscheidungsspielräumen für die Klient_innen und um Transparenz gegenüber allen Beteiligten. Die Zustimmung bezüglich der drei unterschiedlichen Items schwankt zwischen 96% und 88% (siehe Abbildung 13). Größte Zustimmung erfährt mit 96% die Aussage: "Wir informieren bei Beginn der Hilfemaßnahme über unsere Schweige- und Mitteilungspflichten."

Abbildung 13

Abbildung 13: Einschätzungen der Mitarbeitenden zur Verhandlung in akuten Gefährdungssituationen

Dr. Dörte Schott, Freie Evaluatorin, Wiesbaden, info[at]doerte-schott.de, www.doerte-schott.de/