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DGSF ruft zur Unterstützung von RESQSHIP auf

Zuletzt verändert: 22.11.2017
Der Verein RESQSHIP rettet Menschen im Mittelmeer aus Seenot und hat die DGSF um Unterstützung gebeten. Die DGSF vermittelt nun Therapeutinnen und Therapeuten zur ehrenamtlichen Vor- und Nachbereitung der Schiffscrew. Zudem ruft der systemische Fachverband auch zur Teilnahme an den Einsätzen auf Malta sowie zu Spenden auf.
DGSF ruft zur Unterstützung von RESQSHIP auf

Bildquelle: Judith Buethe / RESQSHIP e.V.

Die DGSF will mehr sein als ein Fachverband, in dem sich SystemikerInnen organisieren. Uns verbinden auch bestimmte gesellschaftspolitische Grundwerte – Frieden – Freiheit – Gleichheit – Geschwisterlichkeit – Teilhabe – Ausgleich – Informationelle Selbstbestimmung. Das Bekenntnis zu diesen Werten ist mehr als nur eine Stellungnahme auf dem Papier oder auf dem Bildschirm. Getreu dem Motto der diesjährigen Jahrestagung „SystemikerInnen mischen sich ein“ wollen viele DGSF-Mitglieder aktiv zu einer Gesellschaft beitragen, in der diese Grundwerte gelebt werden. Viele DGSF-Mitglieder waren in den vergangenen Jahren aktiv an der Hilfe für geflüchtete Menschen beteiligt oder aktiv bei der Unterstützung der HelferInnen. Hieran wollen wir anknüpfen:

Der Verein RESQSHIP hat die DGSF um Unterstützung für ein konkretes Projekt gebeten. Wer bei der DGSF-Jahrestagung in München dabei war, erinnert sich sicherlich an Friedrich Reich, der im Rahmen vom „Forums Gesellschaftspolitik“ und von der Mitgliederversammlung den Verein vorstellte und von den bisherigen Einsätzen berichtete: RESQSHIP plant mit einem Rettungsboot schiffbrüchigen Geflüchteten im Mittelmeer zu helfen. Wir suchen nun Freiwillige, die die Crews dieses Schiffs vor und nach den Einsätzen psychologisch betreuen. Für die Flug- und ggf. Unterkunftskosten der Freiwilligen im Einsatz ruft die DGSF außerdem zu einem Crowdfunding auf. Der Einsatz von RESQSHIP soll ab Ende 2017/ Anfang 2018 starten.

 

Worum geht es genau?

Der Verein RESQSHIP baut auf den Vorerfahrungen seiner Mitglieder in der Seenotrettung im Mittelmeer auf – viele von ihnen waren bereits an Rettungseinsätzen beteiligt. Sobald ein Schiff zur Verfügung steht, soll eine Crew von Freiwilligen ab Malta zu jeweils etwa 14-tägigen Einsätzen starten, die zum Ziel haben, Menschen aus Seenot zu retten. Der konkrete Einsatzbeginn ist noch nicht exakt vorhersehbar, denn er hängt auch von Wetterbedingungen und der politischen Lage im Mittelmeer ab. Alle Interessierten werden so bald als möglich über die konkreten Einsatztermine informiert.

Die Crews sollen vor und nach ihrem Einsatz auf Malta psychologisch betreut werden. Dafür werden geeignete Freiwillige gesucht.

 

Was wird von den Freiwilligen erwartet? Einsatzzeitpunkt und -Dauer

  • Einsatz über eine einen Zeitraum von 14 bis 20 Tagen, jeweils für ca. 3 Tage am Beginn und Ende dieses Zeitraums. Interessierte werden über den konkreten Einsatzzeitpunkt informiert, sobald dieser feststeht. Eine verbindliche Zusage ist natürlich erst nötig, sobald der konkrete Einsatzzeitpunkt feststeht.
  • Gestaltung eines Briefings vor Abfahrt und eines Debriefings bei Wiederankunft (ca. 14 Tage später) für eine Crew. Die konstante Betreuung eines Teams sowohl vor als auch nach dessen Einsatz durch eine/n Therapeutin ist wünschenswert.
  • Unterstützung der „eigenen“ Crew auch in der Zeit nach dem Einsatz, falls bei einzelnen Crewmitgliedern nach deren Rückkehr in den Alltag psychosozialer oder therapeutischer Unterstützungsbedarf auftritt.

 

Anforderungen und Voraussetzungen: nötige Sprachkenntnisse und Qualifikationen der Freiwilligen

  • Die Arbeitssprache auf Malta ist Englisch, die Schiffscrew international. Sichere Englischkenntnisse sind also nötig.
  • Das Briefing soll die Schiffscrew auf den Umgang mit Stress und außergewöhnliche Situationen vorbereiten und auf den Umgang der Schiffscrewmitglieder untereinander auf engstem Raum und unter außergewöhnlichen Umständen (Teambuilding). Außerdem geht es darum, auf die Konfrontation mit Tod, Leichen, schweren Verletzungen, Trauer, Opfern von Vergewaltigung und schwerer Traumatisierung vorbereitet zu werden.
  • Erfahrung mit Notfallpsychologie und/oder Traumabehandlung und der Arbeit mit Gruppen sind nötig.
  • Eine psychologische, psychiatrische oder psychosomatische Qualifikation der freiwilligen TherapeutInnen ist besonders wünschenswert. Wichtiger als ein formaler Abschluss sind aber geeignete Erfahrungen – und natürlich die Motivation.

 

Einsatzzeitpunkt und Organisation

  • Der Zeitpunkt der Einsätze steht noch nicht fest, der Start hängt von der Bereitstellung des Schiffes ab. Wahrscheinlich ist ein Einsatzstart Ende 2017/ Anfang 2018. Sobald der Einsatzzeitpunkt feststeht, werden alle TherapeutInnen im Einsatzpool benachrichtigt und können dann entscheiden, ob sie konkret für ein Datum zur Verfügung stehen.
  • Eine Einsatzperiode für Therapeutinnen beträgt voraussichtlich ca. 14 Tage. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird vor allem zu Beginn und am Ende dieser Periode therapeutische Arbeit gefordert sein; weniger zwischendurch. Wünschenswert ist aber, dass ein/e TherapeutIn sowohl das Briefing „ihrer/seiner“ Crew vor deren Abfahrt, als auch deren Debriefing nach der Wiederankunft auf dem Festland übernimmt. Wünschenswert wäre weiterhin, dass die TherapeutInnen einander nahtlos ablösen, und dass der/die nächste TherapeutIn schon beim Debriefing der Vorgängercrew als BeobachterIn anwesend ist. Ob die TherapeutInnen zwischen Briefing und Debriefing auf Malta bleiben oder zurückfliegen, kann individuell geklärt werden.

 

Spendenaufruf RESQSHIP

Die Einsätze, Kauf und Instandhaltung des Schiffs, Flugkosten nach Malta für Crew und TherapeutInnen kosten natürlich Geld. Wer RESQSHIP unterstützen möchte, ohne vor Ort mitarbeiten zu wollen oder zu können, kann auch durch Spenden einen Beitrag dazu leisten, die Einsätze zu ermöglichen. Alle Spendenmöglichkeiten sind hier zu finden.

 

Aufruf: Meldung als freiwillige/r TherapeutIn

Falls Sie sich vorstellen können, einen solchen Einsatz auf Malta therapeutisch zu begleiten, melden Sie uns per E-Mail an . Wir bitten dazu um eine kurze, formlose Information über Ihre relevanten Vorerfahrungen und Qualifikationen für den Einsatz, die die DGSF dann an RESQSHIP weiterleiten wird. Wichtig: Mit dieser E-Mail melden Sie sich noch nicht verbindlich für einen Einsatz an! Es geht vielmehr zunächst um eine Interessenbekundung. Auf dieser Grundlage ist es dann für RESQSHIP möglich, zu prüfen, ob mit einer ausreichenden Anzahl an freiwilligen TherapeutInnen gerechnet werden kann. Wenn es konkret wird, wird RESQSHIP direkt mit Ihnen Kontakt aufnehmen.

Offene Fragen schicken Sie bitte per Mail an . Die Fragen werden dann gesammelt an RESQSHIP weitergeleitet und dort beantwortet. Je nach Interesse wird die DGSF ggf. noch eine Infoveranstaltung gemeinsam mit RESQSHIP organisieren.

 

Erfahrungsberichte

Einige DGSF-Mitglieder waren bereits an ähnlichen Einsätzen von Vorgängerprojekten beteiligt.

Welche Erfahrungen kann ein solcher Einsatz mit sich bringen? Jeder Einsatz ist natürlich anders. Wir haben trotzdem DGSF-Mitglieder, die schon ähnliche Einsätze begleitet haben, um Berichte gebeten. Achtung: es handelte sich um Einsätze für andere Organisationen; die Rahmenbedingungen müssen nicht identisch sein. Hier ein erster solcher Bericht, weitere werden in Kürze folgen. Wer selbst schon einmal einen ähnlichen Einsatz bestritten hat und einen Bericht verfassen möchte, ist herzlich dazu eingeladen.

 

Erster Erfahrungsbericht

Frage: Was kam bei Deinem Einsatz auf Dich zu, was hast Du getan?
Antwort: Der Auftrag sah vor, nach Malta zu fliegen und vor Ort mit einer ehrenamtlichen 18-köpfigen Crew aus internationalen Spezialisten eine gut zweistündige englischsprachige Supervision mit dem Ziel der Vorbereitung auf den gemeinsamen zweiwöchigen Seenotrettungseinsatz vor der Küste Libyens durchzuführen. Die Supervision war eines mehrerer "Briefings" mit unterschiedlichen Schwerpunkten, wie etwa Brandschutzeinsatz an Bord, Umgang mit Lebensrettungsausrüstung im Notfall, deeskalierendes Verhalten im Konfliktfall auf See, etc. Diese Briefings wurden von den jeweiligen Spezialisten der Crew durchgeführt, mein Part war die Supervision, die als "Team-Development and psychological Supervision" betitelt war.

F:Was hat Dich vor Ort erwartet? (Umstände, Zusammenarbeit, Organisation…)
A: Das Büro-Team der Rettungsorganisation hat alles für mich organisiert und sämtliche Kosten getragen, ich musste ausschließlich meine Zeit, meine Expertise und meine Abenteuerlust zur Verfügung stellen. Entsprechend bin ich spät abends auf Malta am Flughafen abgeholt worden und habe dann am nächsten Tag gemeinsam mit dem größeren Teil der Crew, der ebenfalls nach und nach eintraf, einen Tag auf dem Schiff verbracht, um bei den Vorbereitungen (Material verstauen, letzte Vorbereitungen und Absprachen treffen) mit anzupacken und bei der Gelegenheit die Missionsteilnehmenden kennen gelernt. Gewohnt habe ich an Land im "Camp", wobei es sich um ein größeres Haus in einem Vorort der Hauptstadt handelte. Das Gebäude war eigentlich recht großzügig, aber mit einer solchen Anzahl von Menschen und Material doch eher an der Kapazitätsgrenze in Sachen Wohn-, Lager- und Arbeitsraum - Einzelzimmer und Privatbad gab es nicht, es herrschte eher eine Zeltlageratmosphäre (allerdings ohne Zelte). Dem entsprechend haben wir dann am nächsten Tag auch bei der Supervision improvisiert - spezielles Arbeitsmaterial außer Stiften und Papier gab es quasi nicht. Die restlichen Briefings habe ich nicht mit gemacht, sondern war stattdessen im Mittelmeer schwimmen und habe mich mit Hilfe meines Notebooks meinen anderen Projekten gewidmet. Am nächsten Morgen bin ich sehr früh wieder zum Flughafen gebracht worden und heim geflogen.

F: Wie hast Du Dich vorbereitet – bzw. nun, aus der Rückschau: wie würdest Du Dich (für einen nächsten Einsatz) vorbereiten?
A: Neben den üblichen Vorgesprächen mit Camp-Crew und Einsatzleitung habe ich mich im Voraus insbesondere mit der Frage befasst, wie ich die inhaltlichen Aufträge moderatorisch begleite, um der Crew neben der Selbstreflexion Raum zu lassen, um sich miteinander vertraut machen zu können. Mein Gedanke war, die Zeit im Gesamtplenum zu minimieren zu Gunsten von Kleingruppenarbeit in wechselnden Konstellationen. Mit dem Format, welches ich dann gewählt habe, bin ich sehr zufrieden. Aus den Rückmeldungen ging hervor, dass die Teilnehmenden damit nicht unbedingt gerechnet hatten, es aber als hilfreich insbesondere für den persönlichen Austausch über Befürchtungen und Erwartungen empfanden. Im Angesicht der ansonsten sehr "organisatorisch-technischen" Briefings bot die Supervisionszeit damit die Chance für intensiven zwischenmenschlichen Austausch mit klarem Fokus - dieser ergab sich insbesondere auch aus der Tatsache, dass ich mich am ersten Tag mit den diversen "Leitungsfunktionen" (Kapitän, Einsatzleitung, Medizinische Leitung) im persönlichen Gespräch und beim "Leitungsmeeting" über deren Perspektiven auf "notwendige Inhalte" ausgetauscht habe. Insgesamt würde ich es wieder so machen :-)

F: Wie war der Einsatz für Dich? Wie denkst Du im Nachhinein darüber? Was würdest Du anderen empfehlen, die sich überlegen, so einen Einsatz anzutreten?
A: Ich war besonders von der Atmosphäre beeindruckt: alle Crewmitglieder (die Jüngsten Mitte zwanzig, die Ältesten Ende sechzig) machten ihre Arbeit ehrenamtlich, es handelte sich ausnahmslos um Profis (Seeleute, Schiffsmechaniker, IT-Spezialisten, Rettungssanitäter, Feuerwehrleute, Rettungsschwimmer, Ärztinnen, Medizinisches Personal, und ein ehemaliger Seemann, der lange ein Fish-and-Chips Restaurant geführt hatte, war als Koch mit dabei), und in meinem Fall waren im Camp insgesamt vier europäische Nationen vertreten. Diese Mischung hat meiner Einschätzung nach zu einer "hochwertigen Einsatzbereitschaft" geführt. Es war schwer, sich dieser mitreißenden Stimmung an der Grenze des Kontinents zu entziehen. Ich kann nur empfehlen, sich einen persönlichen Eindruck hiervon zu verschaffen, beispielsweise durch die Mitarbeit als ehrenamtliche Supervisorin - eine Bereitschaft zur Flexibilität und ein deutliches Maß Toleranz gegenüber der Notwendigkeit des Improvisierens sind in jedem Fall zielführend.

F: Was würdest Du noch gerne über den Einsatz berichten?
A: Ich habe spannende Menschen kennen gelernt, die mit viel Einsatzbereitschaft eine erfolgreiche Mission gefahren sind und mehrere hundert Menschen aus Seenot retten konnten. Glücklicherweise gab es keine ernsthaften Zwischenfälle und alle sind wohlbehalten wieder in den Hafen zurückgekehrt. Ich bin dankbar, ein Teil des Projekts sein zu können und hoffe, erneut antreten zu dürfen!


Zweiter Erfahrungsbericht

F: Was kam bei Deinem Einsatz auf Dich zu, was hast Du getan?
A: Meine offizielle Aufgabe hies "Debriefing der zurückkommenden Crew" und "Briefing der rausfahrenden Crew", wobei Wert darauf gelegt wurde, dass es kein Debriefing/Briefing in der ursprünglichen Methode der "Critical Incident Reflexion & Bearbeitung"  werden sollte. Sondern eher supervisorische Nachbereitung und Vorbereitung eines Einsatzes, der emotional und körperlich an und über die persönlichen Grenzen gehen kann. Dies empfand ich als sehr passend, da in div. Studien höhere PTBS-Symptomatiken nach emotionalen Debriefings festgestellt wurden und es mir fraglich schien, wie es mir gelingen könnte, mit einer mir unbekannten Gruppe von 10 bis 15 Personen in einem einzigen relativ kurzen Zusammentreffen für alle Teilnehmenden bekömmlich in die doch schwerwiegenden Themen und Erlebnisse einzusteigen.
Ich hatte keinen Kontakt mit der Crew während sie auf See waren, doch ich wußte aus Postings und Gesprächen mit Anderen, dass die Crew Extremsituationen durchlebt hatte, zudem 1 Tag länger als geplant im Rettungsgebiet war und ernsthafte Engpässe bei der Versorgung mit Lebensmitteln durchlitt. Von der rausfahrenden Crew war mir die Besetzung der sog. Führungspositionen namentlich bekannt - alles bereits erfahrene Seeleute mit Rettungseinsatzerfahrung. Alle anderen Crewmitglieder lernte ich im Laufe meines Aufenthaltes im Camp nach und nach kennen. Dass ich bereits zwei Tage früher dort war, war hier hilfreich, um bereits vor dem Briefing Kontakt herzustellen und oftmals zwischen den Zeilen von den Erwartungen, Befürchtungen und Bedürfnissen der Crewmitglieder zu erfahren. Mir wurde bewußt, dass sich die Crewmitglieder zu 90 % nicht kannten, teilweise das erste Mal überhaupt auf See waren, und ihnen erst in den Tagen vor dem Auslaufen bewußt wurde, dass sie nun 14 Tage auf engem Raum unter höchst anspruchsvollen Bedingungen und durchaus unter Lebensgefahr vor sich hatten.
Für das "Debriefing", das im Hafen direkt neben dem Boot stattfand, gestaltete ich deshalb ein Supervisionssetting, das den Raum geben sollte, Gedanken und Gefühle zum Einsatz zu verbalisieren, das einen Input zu möglichen Nachwirkungen enthielt, Selbstreflexion und Austausch zu "Wie würde ich reagieren, wenn ich Nachwirkungen verspürte oder vermutete? Was tut mir immer gut? Was gönne ich mir jetzt besonders?
Worauf freue ich mich schon?" bot und eine Sequenz, in der sich die Crewmitglieder beieinander bedanken konnten, ehe sie den Crewkreis mit einer symbolischen Entrollung und Rückkehr in den "Alltag" verliesen.
Für das "Briefing" wählte ich zu Beginn soziometrische Strukturen für Name & Job im Normalleben, Erfahrung mit belastenden Situationen, wie viel Erfahrung auf See, wie viele Einsätze schon mitgefahren. Da es neben diesem Briefing nur technische Briefings gegeben hatte, sammelte ich im Anschluss ihre noch offenen Fragen zum Einsatz ein. Diese beantworteten wir dann alle gemeinsam, teilweise ergaben sich weitere Fragen, die ebenfalls aufgenommen und beantwortet wurden. Danach wechselten wir die Location und gingen aufs Boot. Hier gabs dann den Input zu möglichen Wirkungen und Nebenwirkungen traumatischer Ereignisse und Erlebnisse, bewährte "Erste-Hilfe-Maßnahmen", gegenseitige Unterstützungsoptionen und zum Abschluss eine Reflexions- und Austauschrunde zu Ideen, was sie trotz Enge und Gemeinschaft auf dem Boot für sich selbst Gutes tun werden.

F: Was hat Dich vor Ort erwartet? (Umstände, Zusammenarbeit, Organisation…)
A: Mein Flug und mein Transfer waren gebucht und standen bereit, es gab ausreichend Schlafmöglichkeiten im Camp und einen stets sehr gut gefüllten Kühlschrank. Es war eine Mischung aus WG und Jugendherberge. Bis zwei Uhr nachts hatten wir hohe Temperaturen, sodass Schlafen vor 2/3-Uhr für mich nicht möglich war. Da sich mein Einsatz dann um einen Tag verschob und es lange nicht klar war, ob ich evtl. Debriefing und Briefing an einem Tag hintereinander machen sollte, bin ich für die letzten beiden Nächte in ein günstiges Hotelzimmer gezogen um fit und aufmerksam zu sein.

F: Wie hast Du Dich vorbereitet – bzw. nun, aus der Rückschau: wie würdest Du Dich (für einen nächsten Einsatz) vorbereiten?
A: Ich habe mich vor meiner Abreise nochmal intensiv mit dem Erleben von Krisensituationen und dem Bearbeiten von Erlebtem auseinandergesetzt, vor Ort Kontakt zu den Crewmitgliedern der auslaufenden Crew aufgebaut und erst sehr kurzfristig die beiden Settings vorbereitet. Da Ort und Raum nicht klar waren (es gab hier wechselnde Ideen und Aussagen), habe ich mich darauf eingestellt, keinerlei Hilfsmittel außer Moderationskarten nutzen zu können. Dies war gut so, denn das Debriefing fand im Hafen neben dem Schiff an einem Kai am Spätnachmittag statt (abgeschottet und ohne Störung zwar, aber eben doch eine Umgebung mit eingeschränkteren Möglichkeiten), das Briefing fand auf Wunsch der Crew ebenfalls am Spätnachmittag und an einem Strand statt, zu dem wir erst mit (Schlauch)Motorbooten fahren mussten. (Anm.: die Crew hatte den ganzen Tag gepackt und wollte noch kurz schwimmen, was für mich passend und gut integrierbar war).
Vorbereitung für den nächsten Einsatz: ähnlich viel bzw. wenig, ein Austausch mit anderen Supervisoren, die ebenfalls in diesem Umfeld tätig sind, wäre toll.

F: Wie war der Einsatz für Dich? Wie denkst Du im Nachhinein darüber? Was würdest Du anderen empfehlen, die sich überlegen, so einen Einsatz anzutreten?
A: Der Einsatz war einerseits anstrengend (Hitze, Thematik, Gefahren für die Crews auch durch die libysche Küstenwache), aber auch eine wunderbare Möglichkeit diese Menschen, die - bewußt oder ein wenig blauäugig - ihr Leben und ihre Gesundheit riskieren, zu unterstützen.
Was ich anderen empfehlen würde? - Die Rahmenbedingungen und Erwartungen der Organisation eruieren und dann entscheiden, ob dies passend ist.

F: Was würdest Du noch gerne über den Einsatz berichten?
A: Es ist wirklich kein Urlaub. Dennoch sollte man die Möglichkeit nutzen, Spaziergänge durch Valletta einzubauen. Das bringt ein wenig Ablenkung, denn Valletta ist wunderschön.

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