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IQWiG-Prüfbericht veröffentlicht

Veröffentlicht: 24.08.2016, aktualisiert: 26.10.2016
Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat gestern einen Prüfbericht veröffentlicht, der zahlreiche "Hinweise und Anhaltspunkte" für den Nutzen von Systemischer Therapie bei Erwachsenen aufweist.

Nicht weniger als 780 Seiten lang ist der Vorbericht, in dem die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des IQWiG akribisch Studien zur Wirksamkeit von Systemischer Therapie gesammelt und genau unter die Lupe genommen haben. Im Ergebnis bescheinigt das IQWiG Hinweise und Anhaltspunkte für die Wirksamkeit in nahezu allen relevanten Störungsbereichen. „Damit bestätigt das IQWiG unsere Einschätzung der sehr guten wissenschaftlichen Studienlage zu Systemischer Therapie“, freuen sich Dr. Ulrike Borst und Dr. Björn Enno Hermans, die Vorsitzenden der beiden Fachverbände Systemischer Therapie, DGSF und SG.

Im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), dem Selbstverwaltungsorgan von Krankenkassen, Krankenhäusern, Ärzten und Psychotherapeuten, untersucht das IQWiG derzeit, ob genügend Nachweise für die erfolgreiche Behandlung psychischer Störungen mit Systemischer Therapie vorliegen.

Hohe Wirksamkeit bei Angst- und Zwangsstörungen und Schizophrenie

Besonders klare Hinweise auf die Wirksamkeit Systemischer Therapie fanden die Forscher für den Störungsbereich Angst- und Zwangsstörungen sowie für Schizophrenie. Dabei handelt es sich um zwei für die psychotherapeutische Versorgung besonders relevante Störungen: Angst- und Zwangsstörungen zählen zu den am stärksten verbreiteten und Schizophrenie zu den schwersten Störungen mit einem besonders hohen Leidensdruck für Patienten und deren Angehörigen.

Methodisch gute Wirksamkeitsstudien sind machbar

Den Nachweis für den Nutzen eines Psychotherapieverfahrens zu erbringen ist nicht leicht, weil Wirksamkeitsstudien im Bereich der Psychotherapie sehr viel schwerer umsetzbar sind als z.B. im Bereich von Pharmaprodukten. So ist die Wirkung einer einfach einzunehmenden Tablette sehr viel leichter zu beobachten als die Wirkung von mehreren Stunden Psychotherapie, die über mehrere Monate hinweg stattfindet. „Aber auch hier“, so der stellvertretende Institutsleiter des IQWiG, Stefan Lange, „sind aussagekräftige Studien machbar, wie die vorläufigen Ergebnisse zur Systemischen Therapie zeigen".

Systemische Therapie attraktiv für Krankenkassen

Von dem Ergebnis der Untersuchung beim IQWiG hängt ab, ob der G-BA Systemische Therapie in den Katalog der Psychotherapieverfahren aufnimmt, die von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden. Bereits heute wollen einzelne Krankenassen auf das Behandlungsangebot mit Systemischer Therapie nicht verzichten und haben Modellprojekte gestartet. Dabei spielt sicherlich die vergleichsweise kürzere Behandlungsdauer eine Rolle, mit der Systemische Therapie auskommt. In einer aktuellen Studie aus Finnland haben Forscher etwa festgestellt, dass Systemische Therapie bei Angststörungen fünf Jahre nach Behandlungsende genau so wirksam ist wie psychodynamische Langzeittherapie, nur sehr viel kostengünstiger und mit weniger gleichzeitigen eingenommenen Medikamenten.  

Wie geht es weiter?

Die „vorläufige Nutzenbewertung“ der Systemischen Therapie durch das IQWiG kann jetzt von Fachleuten bis zum 20. September kommentiert werden. Bis März 2017 wird das IQWiG dem G-BA seinen Abschlussbericht vorlegen. Auf dieser Grundlage wird dann entschieden, ob Systemische Therapie zukünftig als psychotherapeutisches Behandlungsverfahren von den Krankenkassen bereitgestellt wird. „Wir sind sehr zuversichtlich“, so Hermans und Borst, „dass der G-BA in Kürze allen Versicherten gesetzlicher Krankenkassen dieses effektive und effiziente Verfahren zur Verfügung stellen wird“.

(Sebastian Baumann / Bernhard Schorn)

Pressemitteilung des IQWiG

Zum Bericht und weiteren Infos beim IQWiG

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