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Neues von der DGSF-Jahrestagung 2017

Veröffentlicht: 23.05.2017, aktualisiert: 23.05.2017
Die 17. Wissenschaftliche Jahrestagung der DGSF „Von der Neutralität zur Parteilichkeit – Systemikerinnen mischen sich ein“ vom 12. bis zum 14. Oktober 2017 in München bietet den Teilnehmenden über alle Veranstaltungstage hinweg Gelegenheit zur Begegnung, Vernetzung und zur Erweiterung des systemischen Netzwerks.

Auch der fachliche Austausch bzw. Input wird in diesem Jahr wieder nicht zu kurz kommen, denn es haben bereits zahlreiche Referenten ihre Teilnahme bestätigt und laden zur Teilnahme an Workshops sowie zu Fachvorträgen ein.

So bietet beispielsweise Dr. Ruth Sander den Workshop „Hass und Angst – wie stark ist die Demokratie?“, Axel Enke lädt ein zu: „Alt, einsam, vergessen und vernachlässigt. Die neuen und leisen Formen gesellschaftlich-struktureller Gewalt sowie Ausgrenzung und Vernachlässigung“ und mit Dr. Helmut Wetzel geht es auf einen Besuch zur KZ-Gedenkstätte Dachau. Auch das Forum Gesellschaftspolitik wird die Jahrestagung nutzen, um sich an einem Nachmittag vorzustellen.

Bei einer Anmeldung bis zum 30. Juni gelten vergünstigte Konditionen für die Teilnahme an der Tagung. StudentInnen und TeilnehmerInnen in Approbationsausbildung erhalten während ihrer praktischen Tätigkeit ebenfalls einen Rabatt. Zudem sind auch Tagestickets erhältlich.

Zur Tagungsseite: http://www.dgsf-tagung-2017.de

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Was steckt hinter dem Veranstaltungsmotto "Von der Neutralität zur Parteilichkeit - SystemikerInnen mischen sich ein"? - Toias von der Recke (MISW) informiert über die Hintergründe

Verschiedentlich sind wir gefragt worden, warum wir uns für das Motto "Von der Neutralität zur Parteilichkeit - SystemikerInnen mischen sich ein" entschieden haben und gerne lassen wir Sie wissen, was uns da bewogen und bewegt hat. 

Dass wir (das MISW) systemische Arbeit auch als eine (friedens-)politische Arbeit betrachten, entspringt vor allem (aber nicht nur) unseren Erfahrungen in Familienrekonstruktionen, in denen wir immer wieder mit Themen wie 2. Weltkrieg, Flucht und Vertreibung, deutscher Teilung und Wiedervereinigung und interkulturellen Fragen beschäftigt sind. Dabei wird deutlich, wie gesellschaftspolitische und historische Entwicklungen individuelle und familiäre Lebensentwürfe, Einstellungen, Hoffungen, Ängste und Visionen beeinflussen. Traumatisierungen, die in bestimmten historischen Phasen erlitten werden, überfordern individuelle Möglichkeiten ihrer Verarbeitung und bedürfen kollektiver Beschäftigung, wofür wir die Familienrekonstruktion als einen möglichen und immer wieder heilsamen Kontext erachten.

Gleichzeitig stellen wir fest, dass systemische Beratung, Therapie, Supervision und Organisationsberatung in den letzten 20 Jahren zunehmend weniger in historischen Kontexten betrachtet und angewandt wurde, eine Entwicklung, die gerne mit Begriffen wie "Individualisierung" oder "Psychotherapeutisierung" beschrieben wird. Insofern geht es uns um eine Repolitisierung unserer Arbeit in dem Sinne, dass wir Geschichte und Gesellschaftspoltik wieder als maßgebliche Bestandteile der Kontexte betrachten, in denen wir uns bewegen und arbeiten.

Ein dritter Punkt ist der nicht nur bei uns entstandene Eindruck, dass sich die Welt in den letzten Jahren deutlich verändert hat: Ökologische Krisen, die wachsende Schere zwischen Arm und Reich, verheerende militärische Auseinandersetzungen und daraus resultierende Fluchtbewegungen oder wachsende nationalistische und rechtspopulistische Bewegungen in Deutschland und Europa sind vier wesentliche Themen, die unser Leben, unsere Seele und auch unsere Arbeit beeinflussen. Wir erleben Demokratie nicht mehr als selbstverständlichen Rahmen, unsere Arbeit findet gleichzeitig unter immer schwierigeren materiellen Bedingungen statt.

Im Zuge dieser Entwicklung erleben wir an vielen Stellen eine Radikalisierung von gesellschaftspolitischen Diskursen, die eher zu Spaltungsprozessen als zu Integration oder Inklusion führen. Spaltung, Dämonisierung und Feindbilder verhindern eine konstruktive politische Dialoge, die gerade jetzt so notwendig sind.

Das macht in unseren Augen eine Auseinandersetzung mit diesen Themen und Phänomenen erforderlich und wir hoffen, mit der Tagung einen guten Rahmen dafür bereitzuhalten. In erster Linie geht es und dabei um gelingende Begegnungen und die aufrichtige Suche nach guten Lösungen. Das kann die systemische Betrachtung der skizzierten Phänomene genau so sein wie die politische Stellungnahme zu Entwicklungen, die gewaltfreien Widerstand oder eine neue Friedensbewegung erforderlich machen, wenn es etwa um Gewalt, Diskriminierung oder Ausgrenzung geht.

Unsere systemische Haltung (so verschieden sie gedacht oder gelebt werden mag), die Bereitschaft, das Risiko einzugehen, einander eine gute Absicht zu unterstellen (frei nach Luhmann) und unser vielfältiges methodisches Repertoire sind gute Bedingungen für eine lebendige Tagung in diesem Sinne.

Wir freuen uns darauf!
Tobias von der Recke (MISW)