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Systemischer Kinderschutz

In einer umfangreichen Broschüre "Systemischer Kinderschutz" legte die DGSF zu ihrer Jahrestagung 2019 in Hamburg Empfehlungen zum systemischen Kinderschutz vor. Anfang 2020 wurde die 2. Auflage veröffentlicht.

Liebe Leser*innen,

die Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie (DGSF) ist ein Fachverband mit mehr als 7.500 Mitgliedern, die in unterschiedlichen Arbeitsfeldern tätig sind. Kinder und Jugendliche stehen dabei häufig im Mittelpunkt – sei es in der Jugendhilfe, dem Gesundheitswesen, anderen Feldern der Sozialen Arbeit sowie in der Supervision und Beratung von Institutionen und Organisationen – und sind damit wichtige Protagonist*innen der Systeme.

So liegt es nahe, dass sich die DGSF an verschiedenen Stellen auch mit dem Thema Kinderschutz befasst. Wir haben Vertreter*innen der Fachöffentlichkeit gebeten, in einem Statement zu erläutern, was „systemischer“ Kinderschutz für sie bedeutet. Sie dürfen sich anstelle von weiteren Grußworten auf die persönlichen Antworten und Sichtweisen freuen, die in dieser Broschüre abgedruckt sind.

Wir haben die Frage auch Kindern gestellt. Zwei Antworten werden exemplarisch an dieser Stelle aufgeführt:

„Kinderschutz bedeutet für mich, keine Angst mehr davor haben zu müssen, dass ich meinen Papa und die Oma nicht mehr habe.“ (Jules, 8 Jahre)

„Kinderschutz bedeutet für mich, auch zu wissen, was die alle über uns reden! Ich hab‘ dazu bestimmt was zu sagen!“ (Lisa, 13 Jahre)

Laut dem Statistischen Bundesamt wurden im Jahr 2018 50.400 Kindeswohlgefährdungen verzeichnet, der höchste Stand seit Einführung der Statistik. Als Folge nehmen fachliche und politische Tendenzen zu, den Schutz von Kindern und Jugendlichen auf ein technokratisches Handeln zu verkürzen. Diesen Tendenzen möchten wir entschieden einen systemischen Kinderschutz entgegensetzen.

In den folgenden Beiträgen findet sich die Vielfalt des systemischen Kinderschutzes wieder.Das Gemeinsame aller Themenbereiche bleibt eine hilfe- und kooperationsorientierte Haltung den betroffenen Familien gegenüber als Motor und Rahmen für gelingende Veränderungen.

Da die Nachfrage nach unserer ersten Auflage seit Herbst 2019 groß und die Broschüre schnell vergriffen war, haben wir entschieden, bereits nach vier Monaten die zweite Auflage zu veröffentlichen. Hinzugekommen ist ein Kapitel „Kinderschutz bei sexueller Gewalt“. Der kostenlose Download der Neuauflage steht unter www.dgsf.org zur Verfügung.

Die ausgewählten Themenschwerpunkte haben weder einen Anspruch auf Vollständigkeit noch auf Ausschließlichkeit, sondern sie enthalten die Einladung zum Diskurs und zur gemeinsamen Weiterentwicklung. Sie sollen dazu anregen, „Passendes“ in die eigenen Konzepte zu integrieren und zu adaptieren.

Ganz praktisch gibt es neben den „klassischen“ Hilfen zur Erziehung bereits viele verschiedene, gut erprobte methodische Vorgehensweisen im Bereich des Kinderschutzes, die Familien befähigen, wieder Zugang zu ihren Ressourcen zu finden. Allen Formaten gemeinsam bleibt der intensive Blick auf Kontexte und Wechselwirkungen, das Befördern und Nutzen von Netzwerken und Kooperationen. Eine Auswahl verschiedener Hilfeformen finden Sie im Anhang dieser Broschüre.

Wir freuen uns, wenn diese Broschüre eine Vielzahl von unterschiedlichen Leser*innen erreicht. Lassen Sie sich zu einer gemeinsamen, kooperativen und vernetzten Weiterentwicklunganregen, die Eltern und Kinder dabei unterstützt, auch eigene gute Lösungen für problematische Lebenssituationen zu finden.

Bedanken dürfen wir uns bei allen Autor*innen, bei unserer Fachreferentin Birgit Averbeck für die Gesamtkoordination und bei unserer Geschäftsführerin Miee Park für die begleitenden Arbeiten.

Wir wünschen Ihnen mit der Lektüre neue Impulse für den Kinderschutz und die Arbeit mit Familien!

Herzliche Grüße im Namen des Vorstands der DGSF


Dr. Filip Caby, Vorsitzender
Anke Lingnau-Carduck, Vorsitzende


Das Autor*innenteam der Broschüre "Systemischer Kinderschutz - Kontexte, Wechselwirkungen und Empfehlungen"

Collage der Autorinnen und Autoren der DGSF-Kinderschutzbroschüre

Das Autor*innenteam, Reihe 1 (v. l. n. r.): Ansgar Röhrbein, Ulrich Fellmeth, Frieder Vüllers, Lisa Rettelbach, Reihe 2 (v. l. n. r.): Dr. Filip Caby, Birgit Maschke, Tanja Kuhnert, Annette Linné-Genth, Reihe 3 (v. l. n. r.): Martina Nassenstein, Alexander Korittko, Beate Dittrich, Maurice Malten, Reihe 4 (v. l. n. r.): Barbara Schmidtlein, Astrid Petry, Martina Kruse, Birgit Averbeck, Reihe 5 (v. l. n. r.): Autorenkollektiv des ppsb Hamburg, Regual Rickert, Helmut Maier, Anke Lingnau-Carduck

Einladung zu fachlicher Kommentierung und Weiterentwicklung


Die Broschüre „Systemischer Kinderschutz – Kontexte, Wechselwirkungen und Empfehlungen“ soll die Eröffnung eines breiten fachlichen Diskurs sein mit dem Ziel, unterschiedliche Themen des Kinderschutzes im Prozess weiterzuentwickeln. Sie haben verschiedene Möglichkeiten, Ihre Gedanken, Kommentierungen und Ihre fachliche Expertise beizutragen:
Wie es bereits Vertreter der Fachöffentlichkeit in der Broschüre getan haben, sind Sie eingeladen, unter der Rubrik „Systemischer Kinderschutz bedeutet für mich…“ diesen Satz individuell zu beenden. Bitte geben Sie Ihren Namen, die Stadt, aus der Sie kommen, und, wenn Sie mögen, Ihre Berufsbezeichnung an. Diese Informationen werden mit „Ihrem Satz“ veröffentlicht. Ihre Sätze senden Sie bitte an .

Unter der Rubrik „Weitere Informationen zu einzelnen Themenbereichen“ können Sie eigene fachliche Beiträge zu einzelnen Kapiteln oder zu Themen, die bislang noch nicht benannt wurden, veröffentlichen. Bitte senden Sie Ihre Beiträge an . Weitere Abstimmungen erfolgen dann mit der Fachreferentin Birgit Averbeck.

Des weiteren haben Sie die Möglichkeit, die Rubrik „Kommentare und Anregungen“ für Rückmeldungen zu der Broschüre oder dem Prozess zu nutzen. Bitte senden Sie auch Ihre Anmerkungen zur Veröffentlichung an .

Es wäre wünschenswert, wenn sich viele Menschen mit ihrer fachlichen Expertise und systemischen Haltung an einer Weiterentwicklung des systemischen Kinderschutzes innerhalb Deutschlands beteiligen. Eine Möglichkeit ist die Mitgestaltung dieser Kinderschutzseite!