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Fachgruppe Armut - Würde - Gerechtigkeit

Die Fachgruppe Armut - Würde - Gerechtigkeit veranstaltet am Freitag, 9. Juni 2017, zwei parallel laufende Netzwerktreffen in Köln und Landau.

 

Seit Frühjahr 2015 gibt es die Fachgruppe Armut und System in der DGSF. Die Fachgruppe bietet Kolleg_innen aus den vielfältigsten Fachbereichen (z.B. Familienhilfe, Seniorenarbeit, Allgemeine Soziale Arbeit, Beratung, Coaching und Therapie) den Raum für Austausch und Entwicklung. Die Fachgruppe soll Diskussionsraum sein, aber auch die Chance bieten, sich sowohl innerverbandlich als auch nach außen hin, politisch und fachlich zu Armutsthemen zu engagieren und zu positionieren. Auf der DGSF-Jahrestagung im September 2015 war das offizielle Gründungstreffen.

Die Fachgruppensprecherinnen haben im Rahmen der Mitarbeit bei der AG Gesellschaftspolitik mit Jochen Schweitzer ein Positionspapier zum Thema „Hartz IV aus systemischer Sicht“ (s.u.) verfasst, welches kritisch die aktuellen Regelungen mit ihren Auswirkungen beleuchtet und Alternativen andenkt. Um diese Fragestellung zu vertiefen, wird auf der DGSF-Jahrestagung 2016 in Frankfurt eine Veranstaltung mit Vorträgen, Workshops und Diskussionen zum Themenfeld Armut, Hartz IV und Bedingungsloses Grundeinkommen als mögliche Alternative stattfinden, welche eine eigene Positionsbildung ermöglicht. Bei der Ausgestaltung der Veranstaltung freuen wir uns über Mitdenker, Gestalter und viele Besucher.

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Bericht des Fachgruppentreffens am 9. Juni 2017

Die Fachgruppe Armut – Würde – Gerechtigkeit hat am 9. Juni 2017 getagt.
Neben dem gegenseitigen Kennenlernen gab es viel Interesse an fachlichem Austausch und der Entwicklung von verschiedenen Projekten:
So möchten die Fachgruppenmitglieder sich in Zukunft noch mehr innerhalb des Verbandes zu aktuellen Armutsaspekten äußern. Es wurde auch darüber nachgedacht, einen KONTEXT-Artikel zu verschiedenen Perspektiven auf Armut zu erarbeiten und in Zukunft einen Fachtag zu veranstalten. In der Diskussion wurden verschiedenen Themenfelder gestreift: Bedeutung der Zuwanderung aus Osteuropa, Kinderarmut, Armut und Rechtsradikalismus, Wohnen und Armut... So bleibt die Arbeit der Fachgruppe nach wie vor aktiv. Wir freuen uns weiterhin über Zuwachs!

Im Januar 2018 wird wieder ein Fachgruppentreffen stattfinden, an dem sowohl Sprecherin Tanja Kuhnert als auch Sprecher Lars Anken vor Ort sein werden. Der Tagungsort wird vermutlich wieder Heidelberg sein. Im Juni 2018 soll erneut ein dezentrales Treffen stattfinden - vermutlich in West-(Köln), Südwest-(Landau) und Ostdeutschland (voraussichtlich Raum Magdeburg).

Interessent*innen können sich gerne an den Sprecher oder die Sprecherin der Fachgruppe wenden.

Herzlichen Gruß,
Tanja Kuhnert

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Aktuelles

Die Fachgruppe Armut - Würde - Gerechtigkeit veranstaltet am Freitag, 9. Juni 2017, zwei parallel laufende Netzwerktreffen an unterschiedlichen Orten in Deutschland - weitere Informationen

Tanja Kuhnert berichtet über den Public Health-Kongress am 16./17. März 2017, der unter der Überschrift „Gesundheit solidarisch gestalten" in Berlin stattfand.

Der Fachartikel Menschen im Hartz IV-Bezug - Psychosoziale Auswirkungen und Handlungsansätze für systemische Begleitung und Beratung unter Mitwirken von Tanja Kuhnert steht nun als pdf-Datei im Wissensportal online.

In einem kurzen Bericht fasst Tanja Kuhnert die Aktivitäten der Fachgruppe Armut und System während der Jahrestagung im September 2016 in Frankfurt am Main zusammen.

Tanja Kuhnert, Fachgruppensprecherin und Mitglied des Forums Gesellschaftspolitik, hat einen Bericht über die 16. Wissenschaftliche Jahrestagung der DGSF vom 22. bis zum 24. September 2016 in Frankfurt am Main verfasst. Ihre Eindrücke sind nun online nachzulesen.

Fachgruppensprecherin Tanja Kuhnert nahm Anfang Juli in Berlin am Nationalen Armutskongress "Zeit zu(m) Handeln! - Armut im viertreichsten Land der Welt" teil. Ihr Tagungsbericht mit persönlichen Eindrücken steht nun online.

Am 12. Mai 2016 war Fachgruppensprecherin Tanja Kuhnert bei der Regionalgruppe Freiburg im tandem INSTITUT zu Gast und hielt einen Vortrag zum Thema: "Familien im Kontext Armut - Auswirkungen auf Familiendynamiken". Hieran schloss sich eine interessante und kontroverse Diskussion - auch aus verbandlicher Sicht - an.

 

Bericht des Fachgruppentreffens am 13. Januar 2017 in Heidelberg

Armut – Würde - Gerechtigkeit

Die Fachgruppe Armut und System hatte zum Auftakt des Jahres ein Treffen in Heidelberg.  Neben „alten“ Hasen und Häsinnen, die schon zur Zeit der Fachgruppe Beratung von Menschen in Hartz IV aktiv waren, konnten neue Gesichter begrüßt werden. Der Einstieg war diesmal sehr persönlich. Die Teilnehmenden tauschten sich über ihre ganz persönlichen und teilweise sehr privaten Anlässen aus, die sie veranlasst hatten an diesem Treffen teilzunehmen und sich für die Gruppe Armut und System zu interessieren.

Lars Anken stellte dann Inhalte des Buches POOR ECONOMICS vor, welches durch die sehr genaue und differenzierte Analyse von Esther Duflo und Abhijit Banerjee einen weiteren  gut fundierten wissenschaftlichen Einstieg  in die spätere Diskussion bot. Der Kurzvortrag steht hier online.

Zum frühen Abend hin wurden Ideen entwickelt, für welche Unterthemen sich einzelne Fachgruppenmitglieder interessieren könnten. Diese Aufteilung ermöglich es der Gruppe in Zukunft mehrere Themen in den Blick zu nehmen und aktuell zu bleiben (zum Beispiel zur Kindergrundsicherung und den Entwicklungen im SGB II). Der Fachgruppenname wurde auf den Prüfstand gestellt, indem überlegt wurde, inwieweit er zu sehr zu einer Problemtrance einlädt. Diskutiert wurde eine Umbenennung in Fachgruppe Armut - Würde - Gerechtigkeit. Der Kreis der Anwesenden war sich einig, dass dies eine stimmigere und vielleicht ansprechendere Bezeichnung für diese Fachgruppe sein könnte.

Am Ende wurden noch Ideen für die Jahrestagung entwickelt, die nun auf ihre Umsetzbarkeit geprüft werden müssen. Man darf gespannt sein. Mit rauchenden Köpfen und vielen neuen Impulsen und Inspirationen endete das Treffen.

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Von Wirtschaftsflucht und Willkommenskultur in Deutschland - Grenzen der Willkommenskultur in Deutschland?

Unter dieser Überschrift stand der Fachgruppenabend am 18. Februar 2016 in Köln.

Friedemann Riebe, der in der KONTEXT Ausgabe 3/2015 einen Artikel über seine Arbeit mit Roma-Familien in Köln veröffentlicht hat, war Referent des Abends.
Er stellte mit viel Fachexpertise dar, wie sich Armut in den Ländern Südosteuropas in den letzten Jahren dramatisch weiter entwickelt hat. Dabei wurde deutlich, welche Rolle die westlichen Industrieländer und nicht zuletzt Deutschlande dabei spielen. Eindrücklich war, wie durch die EU-Osterweiterung mit den mitgebrachten Normen, Werten und Vorgaben die Arbeit vieler Kleinbauern und Handwerksbetriebe fast unmöglich macht und Menschen in die Armut treibt.

Mit zahlreichen Beispielen und Fotos von seinen Reisen durch verschiedene osteuropäische Länder wurde Riebes Darstellung greifbar und sehr reell. Dabei wurde eindrücklich, wie insbesondere Roma-Familien in diesen Regionen diskriminiert werden und dadurch unter menschenunwürdigen Bedingungen leben.

Am Ende diskutierten die 12 TeilnehmerInnen was es für Menschen, die aus diesen Lebensumständen zu uns nach Deutschland kommen bedeutet, hier zu sein und unser System verstehen lernen zu müssen. Deutlich wurde, dass hier sehr unterschiedliche Systeme einander begegnen und lernen müssen, sich zu verstehen und zu respektieren. Das führt UnterstützerInnen wie Betroffene immer wieder an Grenzen, insbesondere, wenn verschiedene Vorstellungen von Kindererziehung aufeinander treffen.

Doch am Ende machte Friedemann Riebe anhand von Beispiel anschaulich deutlich, wie Geduld, Ausdauer und Neugierde an der anderen Kultur auch hier Türen öffnen und zu Veränderung führen können.

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Internationale Systemische Armutsdiskussion - ein Tagungsbericht

Unter dem Titel "Social Systems and Family Systems between Crisis and Development: The Systemic Approach to the Poverties" fand vom 16. bis zum 17. Oktober 2015 in Mailand ein internationaler Kongress zum Thema Armut statt. Fachgruppensprecherin Tanja Kuhnert fasst in ihrem Tagungsbericht Inhalte der Vorträge zusammen, lässt aber auch persönliche Gedanken zum unterschiedlichen Umgang mit der Thematik in verschiedenen Ländern einfließen. Sie fordert dazu auf, dass auch SystemikerInnen sich Gedanken darüber machen, was sie zum Umgang mit Armut und Marginalisierung beitragen können.

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Positionspapier „Hartz IV aus systemischer Sicht“

Einführung: Anlass, Inhalt und Zielsetzung dieses Positionspapiers

Zahlreiche Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie (DGSF e. V.) arbeiten professionell mit Klientinnen und Klienten, die zur Sicherung ihres Lebensunterhaltes auf Hartz IV angewiesen sind. Sie sind ZeugInnen der Auswirkungen der Hartz IV-Gesetzgebung und sehen sich als systemisch Arbeitende in der Verantwortung, auf diese hinzuweisen und Veränderungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Die "AG Gesellschaftspolitik" und die "Fachgruppe Armut und System" will diese Themen in die gesellschaftspolitische Diskussion einbringen.

Die gesellschaftliche Atmosphäre, die Schere zwischen Arm und Reich, die Situation der Erwerbstätigen und Erwerbslosen und das Verständnis von einer (Sozial-) Staatliche Gemeinschaft haben sich massiv gewandelt. Der Armutsforscher Christoph Butterwege spricht in seinem Buch „Hartz IV und die Folgen – Auf dem Weg in eine andere Republik?“ davon, dass „Hartz IV als tiefste Zäsur der Wohlfahrts-Staatentwicklung nach 1945 gilt“ und beschreibt, wie das Armutsrisiko, prekäre Beschäftigung und der Verlust von Erwerbstätigkeit in den letzten zehn Jahren gestiegen sind. Der Verlust von Erwerbsarbeit und die Angst „HartzerIn“ zu werden, ziehen wie ein Schreckgespenst durchs Land. Es ist eine Steigerung der psychischen Belastungen einzelner Menschen, Familien und auch innerhalb von Unternehmen zu erkennen und zu spüren.

Die Gesetzgebung und die Handhabung von „Hartz IV“ beruht auf der grundsätzlichen Annahme, dass es Arbeit für Alle gibt und somit jeder, der sich anstrengt, auch Arbeit finden kann. Fordern (und Fördern) ist zur Handlungs-grundlage der Arbeitsagentur geworden. Aufgrund der ökonomischen Entwicklung globalisierter Unternehmen und fortschreitender Automatisierung ist es fraglich, ob es Erwerbsarbeit für alle gibt. Dies macht das um die „Hartz-Gesetze“ entstandene System unserer Meinung nach zynisch.

Wir möchten im Folgenden zunächst die in unserer Arbeit beobachteten psychosozialen Auswirkungen von Hartz IV aus systemischer Sicht beschreiben:

  • Was passiert beim Eintritt in die Behörde?
  • Welchen Einfluss hat dies auf das direkte soziale Umfeld der Leistungsbeantragenden?
  • Mit welchen Vorurteilen müssen ALG II-BezieherInnen leben?
  • Was bedeutet der Grundsatz „Fordern und Fördern“ in Bezug auf Erwerbsarbeit?

Wir wollen darüber hinaus aber auch konkrete Veränderungsvorschläge für die Arbeit der Jobcenter im bestehenden ALG II-System unterbreiten und am Ende einige langfristige Perspektiven menschenwürdiger sozialstaatlicher Unterhaltssicherung aufzeigen – zur Verbesserung der Lebenssituation der LeistungsbezieherInnen und der Gesellschaft im Gesamtgefüge.

Die weiteren Kapitel

  • Teil I: Psychosoziale Auswirkungen von Arbeitslosengeld nach Sozialgesetzbuch II
  • Teil II: Das Jobcenter und seine "Kunden" - wünschenswerte Veränderungen innerhalb des gegenwärtigen Systems
  • Teil III: Perspektiven einer menschenwürdigen sozialen Mindestsicherung

Das vollständige Positionspapier Hartz IV aus systemischer Sicht zum Download 



Kontakt zu den Sprecherinnen der Fachgruppe Armut - Würde - Gerechtigkeit

Fachgruppensprecher: Tanja Kuhnert
Stv. Fachgruppensprecher: Dr. Lars Anken