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4.2.1 Kommentare von Befragten zu Verständlichkeit und Beantwortung

Endbericht: Evaluation der DGSF-empfohlenen systemisch-familienorientiert arbeitenden Einrichtungen in der Kinder- und Jugendhilfe

Durch die Kommentare werden Verständnisschwierigkeiten bei einzelnen Items deutlich, die durch Umformulierung behoben werden können. In wenigen Fällen erweist sich die inhaltliche Fragestellung für einen Teil der Befragten als unklar oder nicht zutreffend, weil sie beispielsweise Angehörige im Kontext unbegleiteter minderjähriger Geflüchteter nicht einbeziehen können. Fragen, die auf Familienmitglieder oder Angehörige bezogen sind, müssten hier entsprechend gefiltert oder durch Fragen bezogen auf Klienten ersetzt werden. Einige Fragen sind für Teile der befragten Mitarbeitenden schwierig zu beantworten, da Kindeswohlgefährdung oder Zwangskontexte hineinspielen können, wobei andere Voraussetzungen zu beachten sind. Für eine Folgebefragung wäre daher wichtig zu erfassen, ob die/der Befragte (vorwiegend) mit "Kunden" oder im Zwangskontext arbeitet, um Fragen ggf. diesbezüglich zu filtern. An manchen Stellen führen konzeptionelle Vorgaben der Einrichtung selbst, vertragliche Vereinbarungen mit Auftraggebenden oder andere formale Rahmenbedingungen dazu, dass ein Item nicht sinnvoll zu beantworten ist, da diesbezüglich keine Gestaltungsfreiheit für die Arbeit mit den Klient_innen gegeben ist.

Wiederholt wird kommentiert, dass Aussagen bezogen auf ein "Wir", d.h. ein Team oder Kollegium, für Befragte teilweise nicht sinnvoll mit Bedeutung zu füllen sind, da die Arbeit überwiegend eigenständig erfolgt. Für Folgebefragungen müsste die Frageformulierung daher um die Alternative "Ich" ergänzt oder ggf. komplett darauf umgestellt werden [1]. Des Weiteren ist aufgrund der in den Kommentaren erkennbaren Heterogenität der Arbeitskontexte im Feld Jugendhilfe eine "weiß nicht"/"keine Angabe"-Option bei allen geschlossenen Fragen sinnvoll.

Zu guter Letzt löste eine sehr offen gestellte Frage zu systemischen Aspekten der eigenen Arbeit gleich zu Beginn des Fragebogens – den Kommentaren nach – mehrfach Unsicherheit aus, in welche Richtung die Frage zu beantworten sei. Zu den offenen Fragen ist generell anzumerken, dass diese bei Folgebefragungen auf Grundlage der Ergebnisse des Pilotprojektes in der Fragestellung deutlich fokussiert werden können. Der explorative Charakter ganz allgemein gehaltener Fragen dürfte sich angesichts der im Pilotprojekt erfassten Bandbreite an relevanten Handlungsfeldern weitgehend erübrigt haben.

Nichtsdestotrotz sollte aus systemischer Sicht eine offene Frage zu den Kontextbedingungen der systemischen Arbeit ergänzt werden, um die übrigen Aussagen entsprechend im Kontext mit seinen Rahmenbedingungen betrachten zu können.

Laut Rückmeldung eines Einrichtungsvertretenden könnte der Fokus insgesamt noch weniger auf (scheinbar begrenzende) Rahmenbedingungen gelegt werden und noch mehr auf die dennoch vorhandenen eigenen Möglichkeiten und Spielräume. Dies legt eine zusätzliche offene Frage zu vorhandenen Handlungsspielräumen nahe.

Dr. Dörte Schott, Freie Evaluatorin, Wiesbaden, info[at]doerte-schott.de, www.doerte-schott.de/



[1] Wenn beide Bezugsmöglichkeiten zur Auswahl gestellt werden, kann in einem kleinen Hinweistext erläutert werden, dass "Ich" zu denken ist, wenn überwiegend eigenständig und "Wir", wenn im Team gearbeitet wird.