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Regionalgruppe Euregio

Die Regionalgruppe Euregio stellt sich vor!

Wissenswertes zur Regionalgruppe Euregio

Seit Herbst 2010 treffen wir uns viermal jährlich in der Röher Parkklinik in Eschweiler. Es hat sich im Laufe der Zeit eine Gruppe von etwa 30 bis 40 Menschen gefunden, die recht regelmäßig an den Treffen teilnimmt, andere kommen hin und wieder dazu oder sind im E-Mail-Verteiler von insgesamt fast 100 Personen vertreten. Jede Form der Teilnahme ist möglich und trägt zur beabsichtigten Vernetzung in der Region bei.

Wir treffen uns jeweils mittwochs von 18.00 bis 21.00 Uhr, wobei neben dem inhaltlichen Input sowohl das leibliche Wohl als auch der private und berufliche Austausch nicht zu kurz kommen. Willkommen sind uns alle an der systemischen Therapie und Beratung interessierten Menschen aus der Euregio rund um Aachen, gerne auch aus den Niederlanden oder Belgien! Die Inhalte unserer Treffen variieren: Wir stellen unsere Arbeitsfelder vor, berichten uns gegenseitig von Tagungen, Vorträgen etc.; Fallbesprechungen, aktuelle politische Themen und Diskussionen sind erwünscht.

Wie in den letzten Jahren möchten wir weiterhin Vortragende in die Regionalgruppe einladen bzw. einen öffentlichen Vortrag organisieren. Für unsere aktiven Mitglieder organisieren wir Workshops zu verschiedenen Themen. Die Termine unserer Treffen veröffentlichen wir auf den Internetseiten der DGSF und über unseren Mail-Verteiler.

Für weitere Informationen oder um in den Verteiler aufgenommen zu werden sendet uns bitte eine E-Mail.

Aktuelles

Die Regionalgruppe Euregio lädt zu ihren nächsten Treffen ein. Veranstaltungsort ist jeweils die Tagesklinik der Röher Parkklinik in Eschweiler. Uhrzeit: 18.00 bis 21.00 Uhr.

Um eine vorherige Kontaktaufnahme und Anmeldung über die Mailadresse der Regionalgruppe wird gebeten.

Anja Lesker & Anita Permantier

Infos und Kontakt
Anja Lesker & Anita Permantier
E-Mail:

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Stellungnahme der Regionalgruppe Euregio zum Streik im Sozial- und Erziehungswesen


Kurz reflektiert: Was ist Arbeit mit und für Menschen in dieser Gesellschaft wert?

Wir, die Regionalgruppe Euregio der Deutschen Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie e. V. (DGSF), möchten uns als Regionalgruppe eines Dachverbands für systemisch arbeitende Menschen in pädagogischen und therapeutischen Berufsgruppen zu Wort melden.
Unabhängig vom Stand oder den Ergebnissen der aktuellen Tarifverhandlungen im Sozial- und Erziehungsdienst richten wir den Blick auf einige Hintergründe der Streiks der letzten Wochen und auf die vielfältigen Reaktionen aus der Gesellschaft.

Scheinbar fällt es unserem „System Gesellschaft“ (also uns allen) sehr schwer, Berufe angemessen zu würdigen, die mit und für Menschen arbeiten. Diese mangelnde Würdigung ist sowohl finanziell als auch in der Haltung den Berufen gegenüber sichtbar:

  • Warum verdient jemand, der in technischen Berufen arbeitet deutlich mehr als Fachkräfte, die mit Menschen arbeiten?
  • Warum werden soziale Berufe immer noch als „Kaffeetassen-Berufe“ wahrgenommen?
  • Liegt es daran, dass der Mehrwert der sozialen Berufe für die Gesellschaft nicht unmittelbar sichtbar oder messbar ist, sondern erst in mehreren Jahren, wenn die Menschen, die betreut werden, mit den Hilfen gewachsen bzw. erwachsen sind?


Ein Beispiel: Wird bei einer Maschine ein Schaden festgestellt, werden innerhalb kürzester Zeit Reparaturen eingeleitet, damit dramatische, ökonomische Folgeschäden, die vielleicht auch in schweren Unfällen enden können, vermieden werden. Wie selbstverständlich werden hoch qualifizierte und angemessen bezahlte Techniker und Ingenieure engagiert, die eine fachlich fundierte Umsetzung der Reparatur gewährleisten sollen. Benötigen jedoch Menschen ein Netzwerk aus pädagogischen Betreuungen sowie sozialen und therapeutischen Hilfen um „rund zu laufen“, muss es genauso selbstverständlich sein, dass hochqualifizierte und angemessen bezahlte Profis zur Verfügung stehen. Auch menschliche Beziehungen in unserer modernen Gesellschaft sind mit ihren Strukturen hoch komplex und sehr störanfällig, und hier bedarf es ebenso einer hohen fachlichen und professionellen Arbeit, die genauso zu honorieren und anzuerkennen ist, wie die qualifizierte Arbeit eines Ingenieurs.

Auch in Bezug auf die verschiedenen sozialen Berufsgruppen, scheint es im Blickpunkt der Gesellschaft unterschiedliche Wahrnehmungen zu geben: In den Medien ist immer wieder von den „Kita-Streiks“ die Rede. Die Streiks anderer Berufsgruppen im Sozial- und Erziehungsdienst (wie z. B. Fachkräfte aus Jugendämtern, Jugendarbeit, Beratungsstellen, Behindertenhilfen und viele mehr) werden von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen. Scheinbar lösen Eltern, die aufgrund von Streiks in ihrer Vereinbarkeit von Beruf und Familie beeinträchtigt werden, mehr Aufmerksamkeit in unserer Gesellschaft aus, als Familien in sozialen Notlagen, die aufgrund von Streiks auf fachliche Beratung und Begleitung sowie auf soziale Hilfen verzichten müssen. Möglicherweise treten diese Betroffenen weniger in den Fokus der Öffentlichkeit, weil sie es gewohnt sind, benachteiligt zu werden von der Mehrheitsgesellschaft, von der Politik, von Behörden und sich daher nicht trauen, für ihre Rechte und Interessen einzutreten, weil sie diese teilweise noch nicht einmal kennen.

Alle reden vom zukünftigen Fachkräftemangel – in den sozialen Berufen ist er schon lange Realität. Es gibt immer weniger qualifizierte Menschen, die bereit sind für ein Gehalt von dem man keine Familie ernähren kann, so viel Verantwortung, Herausforderung und Belastung aufzunehmen.

Wir fragen …
Was ist ein angemessener Stundensatz für eine Fachkraft, die in der Lage sein muss:

  • Kleinkinder zu beziehungsfähigen, mitfühlenden und sozial-kompetenten Persönlichkeiten zu erziehen und ihnen elementare Bildungsgrundlagen zu vermitteln,
  • in hoch komplexen Familienstrukturen professionell zu beraten und Konflikte zu bewältigen,
  • Kindeswohlgefährdungen einzuschätzen und abzuwenden,
  • mit seelischen, körperlichen und psychisch verletzten Menschen zu arbeiten?


Würden wir in zehn Jahren in einer Gesellschaft leben wollen, in der kaum noch jemand diese Arbeit tun möchte, weil sie nicht angemessen bezahlt wird? (...) Und wie sähe dieses Leben wohl aus?

Wir unterstützen ausdrücklich die Streiks der Sozial- und Erziehungsdienste und ihr Ziel, eine Aufwertung der sozialen Berufsgruppen zu erreichen. Wir fordern Arbeitgeber und Gewerkschaften auf, in den aktuellen Schlichtungsgesprächen, die Arbeit aller betroffenen Berufsgruppen mit hoher Ernsthaftigkeit und mit Anerkennung ihrer Leistung angemessen zu bewerten. Eine mangelnde oder gar fehlende Höherbewertung dieser Arbeit wird, unseres Erachtens, den Fachkräftemangel verschärfen und die Folgekosten für die Gesellschaft erheblich erhöhen.

AutorInnen für die DGSF-Regionalgruppe Euregio: Adnan Akyaman, Sonja Bertrams, Sabine Hermanns, Otmar Steinkamp, Stephanie Thiele, Andrea Valdivia

 Die Stellungnahme zum Streik im Sozial- und Erziehungswesen als pdf-Datei (6/2015)