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Bericht und Auswertung des Mitgliedertages 2017 in der „Alten Essig-Manufactur“ in Leipzig

„Fit for Future“ – Entwicklungswerkstatt Jugendhilfe in der DGSF

Nachdem der Mitgliedertag 2016 den Entwicklungen im Gesundheitswesen und der Systemischen Therapie gewidmet war, stand er 2017 unter dem Motto Fit for Future in der Jugendhilfe. Ziel war es, die Entwicklungen in der Jugendhilfe innerhalb der DGSF in den Fokus zu nehmen und Ideen für weitere Begegnungs- und Vernetzungsformate weiterzuentwickeln. Darüber hinaus sollten Überlegungen zu innerverbandlichen jugendpolitischen Diskussionsmöglichkeiten erfolgen und Handlungswege für eine deutlichere Präsenz der systemischen Expertise der DGSF auf der jugendpolitischen Bundesebene aufgezeigt werden. Vorbereitet wurde der Mitgliedertag von Birgit Averbeck, Anke Lingnau-Carduck, Claudia Lintner und Kerstin Dittrich.

Von dem Thema fühlten sich sehr viele Mitglieder angesprochen. Mit 85 Teilnehmerinnen und Teilnehmern war die Veranstaltung schon Anfang März ausgebucht, mehr als 16 Personen mussten auf einer Warteliste darauf hoffen, bei Absagen nachrücken zu können.

Björn Enno Hermans begrüßte die Mitglieder und zeigte im Rahmen einer Präsentation die Weiterentwicklung der Organisationsstruktur der DGSF mit den vier Regionen und dem Regionen-Rat sowie die neue Struktur für die Fachgruppen, die zukünftig den drei Fachbereichen „Jugendhilfe, Soziale Arbeit und lebensweltliche Beratung“ (Fachbereich 1), „Gesundheitswesen, Psychiatrie, Psychotherapie“ (Fachbereich 2) und „Supervision, Organisationsberatung, Coaching und arbeitsweltliche Beratung“ (Fachbereich 3) zugeordnet sind.

Die neue Fachreferentin für Jugendhilfe und Soziale Arbeit, Birgit Averbeck, führte danach durch den Tag und stellte die Methodik der Entwicklungswerkstatt analog einem Worldcafé und die Arbeitsthemen für den Tag vor. Die Jugendhilfe befindet sich an der Schnittstelle zu zahlreichen anderen Systemen wie z. B. dem Gesundheitswesen, der Drogen- und Suchthilfe, den Schulen und Kitas sowie innerverbandlich der Organisationsentwicklung, Supervision und dem Coaching. Eine Ressource der DGSF sind die vielen Mitglieder aus unterschiedlichen Berufssystemen, die das systemische Arbeiten und eine respektvolle, wertschätzende Haltung verbindet. Da Voraussetzung einer gelingenden systemübergreifenden Kooperation für die Familien, Klienten und Patienten ist, dass sich die Fachkräfte kennen und voneinander wesentliche Arbeitsbedingungen, Möglichkeiten und Grenzen wissen, wurden den Mitgliedern zwei Handouts übergeben. Die Papiere „Fit for Jugendhilfe“ und „Fit in Gesundheitswesen“ wurden von den beiden Fachreferentinnen verfasst und sind auf der Homepage abrufbar. Für den Kontext der Jugendhilfe wurden zusätzlich die wesentlichen fachlichen und politischen Basics in einer Präsentation dargestellt.

An den vier farblich gekennzeichneten Themeninseln, die von allen fünf Vorstandsmitgliedern, Michaela Herchenhan, Bernhard Schorn und Kerstin Dittrich moderiert wurden, diskutierten die Mitglieder zu unterschiedlichen Aspekten der Jugendhilfe und Sozialen Arbeit. Es ging in der Arbeit der Kleingruppen an den Themeninseln um „Perlen“ und „Klötze“, „Chancen und kreativen Ideen“ sowie „Gefahren“ mit folgenden exemplarischen Ergebnissen (s. auch Fotoprotokoll):

Blaue Themeninsel

Fachliche Arbeit im Fachbereich 1 mit Schwerpunkt auf Jugendhilfe
Was ist derzeit gut und sollte beibehalten werden?
                                  

  • Begegnung auf Augenhöhe und vielfältige Formate wie Mitgliedertage, Fachgruppen, Regionalgruppen, Jahrestagungen, gemeinsame Begegnungen zwischen Vorstand und Mitgliedern
  • Einrichtung und Besetzung der Fachreferentenstelle
  • Es gibt viele Menschen, die in der Jugendhilfe systemisch durch die DGSF weitergebildet wurden und werden.
  • Fach- und Regionalgruppen sind große, gut genutzte „Perlen“
  • Empfohlene Einrichtungen
  • Systemische Haltung und systemisches Arbeiten als verbindendes in anderen Berufsbereichen
  • Wissensportal und die Möglichkeit, eigene fachliche Texte zu schreiben


Was sind Chancen und Handlungsoptionen?

  • Regionentage
  • Offensives Umgehen mit neuen Berufsgruppen, neuen Institutionen
  • Offensives Umgehen mit der Politik
  • Systemische Qualitätspapiere verfassen, die einen Unterschied machen zu Papieren nicht systemischer Verbände und Institutionen
  • Internetgestützte Kommunikation
  • Die Zeitschrift Kontext noch mehr nutzen:
    • Leicht zu lesendes mit Bildern, auch formuliert für Klienten
    • Austauschforum für Praktiker
  • Mehr Pfeffer!!!


Worauf muss geachtet werden? Was sind Gefahren?

  • Zu viele Informationen
  • Zu viel zu „Hilfe“, weniger Diversität im Verband
  • Neues Datenschutzgesetz
  • Blockbildung „Jugendhilfe“ etc.
  • Einzelmitglieder aus dem Blick verlieren

Bildmaterial zur blauen Themeninsel: Bild 1, Bild 2

Grüne Themeninsel

Innerverbandliche Querschnittsthemen und Begegnungsformate zwischen den drei Fachbereichen mit Bezug zu Jugendhilfe
Zusammenfassende Gedanken:

„Perlen“ sind die vielen informellen Begegnungsformate (Festabende und Pausen), Mitgliedertage, Fach- und Regionalgruppen und der Querschnitt selbst. Folgende Wünsche wurden formuliert:

  • „Mixed Groups“ bilden
  • Abstimmungen zwischen den FB Supervision und Jugendhilfe, jeder Bereich fragt den anderen an
  • Populismus und Rechtsradikalismus als Themen aufgreifen
  • Andere Partizipationsformate sollten geschaffen werden
  • Verständliche Infos zu dem, was in der Jugendhilfepolitik läuft
  • Kinderschutz – auf Änderungen im § 1631b Einfluss nehmen

Darüber hinaus wurden „Gewalt“ und „Gender“ als übergreifende Themen benannt, zu denen „Gemeinsames“ erarbeitet werden kann.
Anregungen:
•    Im Vorstand sollen alle Fachbereiche vertreten sein.
•    Pendelbewegung von „innerhalb“ der Fachbereiche zu Querschnittsthemen und übergreifenden Bereichen
•    Multiprofessionalität wird in der DGSF gut gelebt und vertieft und soll so  bleiben und weiterentwickelt werden.
•    Interdisziplinarität gut im Blick halten
•    Preis verleihen für „systemische gute Jugendämter“
•    Networking auf Landeseben

Bildmaterial zur grünen Themeninsel: Bild 1, Bild 2

Rote Themeninsel

Diskussions- und Begegnungsformate zu jugendpolitischen Themen innerhalb und außerhalb der DGSF

Was sind „Perlen“ und läuft gut:

  • Fachreferentin
  • Geschwindigkeit der SGB VIII-Stellungnahme
  • Positionierung zu Flüchtlingen
  • Politische Stellungnahmen

Neue Möglichkeiten:

  • Einladung zu Beteiligung neu überdenken – trotz vorhandener Möglichkeiten werden sie oft nicht genutzt
  • Einflussnahme auf die Rahmenbedingungen der Gesetzgebung
  • Sensibilisieren für Symptomatiken und politische Handlungsoptionen
  • Jugendamtshierarchien auf kommunaler und Landesebene nutzen
  • Transparenz bezüglich von Stellungnahmen und politischen Themen innerhalb des Verbandes
  • Einbinden der Fach- und Regionalgruppen
  • Blog / App / etc.
  • Bedeutung der Mitgliederversammlung und der Entscheidungsformate neu und besser nutzen: andere Formen von Partizipationsformaten schaffen
  • Mandat schaffen für andere Entwicklungsformate
  • Forschung als Grundlage
  • Lobbyarbeit für Kinder und Professionalität
  • Solidarität von Fachkräften der Jugendhilfe nutzen
  • Einfluss auf Jugendhilfearbeit und Qualität von Jugendhilfeeinrichtungen mehr ausbauen

Prioritäten:

  • Beschreiben: Was zeichnet Jugendhilfe systemisch aus?
  • Ermutigen zum Mitmachen: „Es kümmert sich jemand – ich kümmere mich auch!“
  • Dem Vorstand Vertrauen aussprechen

Bildmaterial zur roten Themeninsel: Bild 1

Gelbe Themeninsel

Die Zukunft der Jugendhilfe 2020 in der DGSF: Was haben wir erreicht?

1. (Berufs-)Politische Ebene

  • Mehr Wertschätzung / monetäre Wertschätzung der Arbeit hat sich verbessert (systemische Weiterbildung wird auch „eingruppierungswirksam“)
  • Öffentlich wirksam werden / bei den „Großen“ mitspielen / mehr Kontakt zu den Entscheidungsträgern
  • Jugendämter sind in Verbandsdiskurse mit einbezogen
  • Projektmanagement und Projektgruppen sind initiiert
  • Eine räumliche Vernetzung von Jugendämtern hat stattgefunden und wird wissenschaftlich evaluiert
  • Wiki-Portal ist installiert: kollektives Wissen kann gut genutzt werden
  • Best-Practice sammeln und propagieren
  • Vielfalt ist strukturiert und sichtbar
  • Es gibt Fachtage mit und für alle „Agenturen“, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten
  • Aufsuchende Familientherapie ist politisch gestärkt
  • Es gibt „Runde Tische“ auf Landesebene mit Politik und Fachkräften
  • Vision: Mitwirkung in Jugendhilfeausschüssen in den Kommunen, dem Land und Bund / Kontakte zu Entscheidungsträgern der Jugendhilfe auf allen Ebenen


2. Gefahren

  • Zu starke Trennung der Fachbereiche
  • Zuviel „anything goes“, Beliebigkeit
  • „Heiße Eisen“ auf dem Weg liegenlassen
  • Herausforderung ist, systemisches in alle Arbeitsfelder so mit einzubringen, dass es für andere interessant und annehmbar ist


3. Konkreter Punkt

  • 2020 sitzen Kinder und Jugendliche im Rund beim Fachtag als Experten

Gearbeitet wurde an jeweils zwei Themeninseln am Vormittag und am Nachmittag. Das Motto „Fit for Future“ wurde dabei an mehreren Stellen des Mitgliedertages ganz wörtlich genommen. Stühle, Stellwände und Flipcharts wanderten durch den Saal der Essig-Manufactur und quer über das Gelände, nach der Mittagspause wurde der Nachmittag im wahrsten Sinne tanzend eröffnet. Ein Höhepunkt mit drei Zugaben war der Auftritt des ImproTheaters „All Inclusive“, organisiert von der Regionalgruppensprecherin Judith Gutknecht, die selbst Mitglied des Ensembles ist.

Bildmaterial zur gelben Themeninsel: Bild 1, Bild 2

Zwei weitere DGSF-Mitglieder hatten sich bereit erklärt, während des gesamten Tages als „Saalohren“ die Metaperspektive und den Prozess im Blick und die Ohren offen zu halten. Gabriele Bachem-Böse, Jugendhilfe Creglingen, und Klaus-Peter Langner, Jugendamt Schwerte, haben alle Kleingruppen an den Themeninseln besucht und stellten sowohl nach der Mittagspause als auch zum Ende der Veranstaltung ihre Eindrücke, Gedanken und Gefühle als Reflecting Team zur Verfügung.

Die acht Moderatorinnen und Moderatoren der Themeninseln präsentierten zum Abschluss eine Zusammenfassung der Arbeitsergebnisse aus jeweils vier Dialogrunden.

Alles in allem ein gelungener Mitgliedertag mit vielen Anregungen für eine Weiterentwicklung der DGSF nicht nur im Jugendhilfebereich.

Birgit Averbeck
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